Schwammerl für alle

5. August 2008, 12:36
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Auf der Kärntner Koralpe kostet eine "Saisonkarte" fürs Pilze-Sammeln 45 Euro, eingeführt wurde sie von den Waldbesitzern. Nun folgte ein Aufruf zum "Schwammerl-Wildern"

Klagenfurt/Wien - Die Einhebung einer Gebühr für das Pilze-Sammeln im Kärntner Lavanttal schlägt hohe Wellen. Während sich die einheimische Bevölkerung vehement zur Wehr setzt und die Maßnahme der Waldbesitzer auch bei Urlaubsgästen auf Unverständnis stößt, verteidigt der Präsident der "Land&Forst Betriebe Österreich", Felix Montecuccoli, die Aktion. Die Gegner kündigten hingegen einen Kampf gegen "Ausbeutung" und "Raubrittertum" an - eine Saisonkarte für das Pilze-Ernten auf der Koralpe kostet jetzt 45 Euro.

"Es darf niemals passieren, dass fürs Schwammerln-Klauben eine Lizenz vergeben wird. Nur der liebe Gott allein wäre berechtigt zu entscheiden, wer die Früchte des Waldes ernten darf", sagte Kärntens bekanntester Aktionist Reinhard Eberhart. Eberhart gibt sich radikal: "Die Forderungen Adeliger, die jahrhundertelang die Bevölkerung ausgeplündert haben, sollten ein für alle Male der Vergangenheit angehören. Die Herrenpilze durften damals auch nur von den sogenannten Herren gepflückt werden. Damals wie heute sind aber Wilderer Helden. Deshalb fordere ich alle Kärntnerinnen und Kärntner im Lavanttal zum Schwammerl-Wildern auf."

Auch ein langjähriger SPÖ-Funktionär aus der Bezirksstadt Wolfsberg will nicht zurück in die Ritterszeit: "Sie haben kein Recht dazu, den Wald abzusperren. Das nächste Mal werden wieder Zäune aufgestellt und wir kommen zurück ins tiefe Mittelalter, wo der Einzelne nichts gezählt hat."

Dass die neue Aktion rechtens und notwendig sei, glauben jedoch der Sprecher der Waldbesitzer-Gruppe, Dominik Habsburg-Lothringen, sowie Forstbetriebe-Vertreter Montecuccoli: Man wolle den Raubbau an der Natur verhindern, die Menge der gesammelten Pilze verringern und die ausufernde Zahl an Touristen und Waldbesuchern lenken. Habsburg: "Wir sehen einfach das Problem, dass die einheimische Bevölkerung, aber auch manche Ausländer, sich überhaupt nicht an die gesetzlichen Regelungen halten. Es kommt zu einer Überflutung des Waldes." (APA)

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    Ob der Herr auf dem Foto die 45 Euro bezahlt hat? Wenn nicht, wird er wohl auf der Kärntner Koralpe nicht in Seelenruhe seine Schwammerl mit Hause nehmen können. Vielleicht ist er aber auch dem Aufruf zum "Wildern" gefolgt.

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