Zehn Tote bei äthiopischem Beschuss - Augenzeugen

5. August 2008, 11:09
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Angriff der ausländischen Soldaten auf Wohnviertel von Mogadischu - Mehr als ein Dutzend verletzt - Mörsergranate sei eigeschlagen

Mogadischu - Äthiopische Soldaten haben nach Angaben von Augenzeugen Wohngebiete in der somalischen Hauptstadt Mogadischu unter Beschuss genommen und dabei mindestens zehn Menschen getötet. Mehr als ein Dutzend Menschen seien verletzt worden, sagte eine Bewohnerin am Dienstag. Eine Mörsergranate sei in der Nähe einer Gruppe von etwa vierzig Menschen eingeschlagen, die hinter einer Mauer Zuflucht gesucht hätten. Sie habe gesehen, wie sechs Menschen getötet wurden, darunter ein Kind und seine Mutter. Ein weiterer Bewohner sagte, er und seine Freunde hätten nach dem Beschuss im Nordosten Mogadischus am Montag die Leichen von vier Menschen eingesammelt. 19 Menschen wurden laut Klinikangaben mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, ein zwei Jahre altes Mädchen starb unmittelbar nach der Einlieferung.

Äthiopische Besatzungstruppen

In Somalia werden die äthiopischen Besatzungstruppen, von denen die Übergangsregierung des Präsidenten Abdullahi Yusuf Ahmed vollständig abhängig ist, von islamischen Fraktionen bekämpft. Internationale Menschenrechtsorganisationen haben den Konfliktparteien "zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen: Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien ebenso wie die Islamisten verantwortlich für "massives Leiden der Zivilbevölkerung". Die Milizen des sogenannten Rates der Islamischen Gerichte hatten Mogadischu beim Herannahen der äthiopischen Panzer im Dezember 2006 aufgegeben. Das rigorose Vorgehen der Äthiopier ohne Rücksicht auf Zivilisten, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten Mogadischus, trugen zur Radikalisierung bei. Eine halbe Million Menschen wurden in die Flucht getrieben. Im Vorjahr war in Asmara in Eritrea eine antiäthiopische "Allianz für die Wiederbefreiung Somalias" gebildet worden.

Elf Minister zurückgetreten

Elf Minister der somalischen Übergangsregierung hatten am vergangenen Wochenende ihren Rücktritt erklärt, unter ihnen der Verteidigungs- und der Außenminister, sowie der Minister für den nationalen Versöhnungsprozess. Nachdem sich mehrere islamische Gruppen von dem provisorischen Waffenruheabkommen distanziert haben, das eine neunzigtägige Feuerpause und einen Zeitplan für den Abzug der äthiopischen Truppen vorsieht, hatte der UN-Sonderbeauftragte Ahmedou Ould-Abdallah die Konfliktparteien am Samstag zur Zusammenarbeit und zur Fortsetzung des Friedensprozesses aufgerufen. Bei einem Bombenanschlag in Mogadischu waren am Sonntag zwanzig Menschen ums Leben gekommen. (APA/AP/AFP)

 

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