Dalai Lama will China "detaillierten Autonomieplan" vorlegen

5. August 2008, 06:43
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Chefunterhändler Gyaltsen: Bei nächster Gesprächsrunde im Oktober "geht es fast um alles oder nichts" - "Peking hält uns hin"

Hamburg/Wien - Der Dalai Lama will der chinesischen Führung im Oktober einen "detaillierten Autonomieplan" für Tibet vorlegen. Dies kündigte der Chefunterhändler des tibetischen Exil-Oberhaupts, Kelsang Gyaltsen, in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" an. Bei der achten Gesprächsrunde zwischen Vertretern Pekings und des Dalai Lama "geht es fast schon um alles oder nichts", sagte Gyaltsen, der Peking vorwarf, die Tibeter bisher mit Blick auf die Olympischen Spiele hingehalten zu haben.

"Bei den Verhandlungen im Oktober werden wir einen detaillierten Plan vorlegen, wie wir uns die Autonomie in Tibet vorstellen", sagte der Dalai-Lama-Vertreter. Reagierten die Chinesen positiv, könnte man konkrete Maßnahmen vorschlagen wie eine Pilgerreise des Dalai Lama nach China und ein Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao, was dem Prozess "den entscheidenden Impuls geben" könnte.

Auch chinesische Militärs für Entspannung

Laut Gyaltsen plädieren derzeit führende chinesische Militärs für eine Entspannung in der Tibet-Frage. Im Politbüro hätten die Reformer eine hauchdünne Mehrheit von fünf gegen vier, sagte der tibetische Chefunterhändler. Er übte jedoch massive Kritik an der bisherigen Verhandlungsführung durch China. "Peking hält uns hin", sagte er. Die kommunistische Führung in China hatte die Gespräche im Mai angeboten, zwei Monate nach den gewaltsamen anti-chinesischen Protesten in Tibet.

Die Tibeter hätten zwar "nie geglaubt, dass das Tibet-Problem noch vor Olympia gelöst werden kann", sagte Gyaltsen. Als Peking aber bei der jüngsten Gesprächsrunde nicht einmal einer gemeinsamen Erklärung zustimmte, die beide Seiten dem Dialogprozess verpflichtet hätte, "machten wir klar, dass wir keinen Sinn in der Fortsetzung der Verhandlungen sehen". Auf chinesischer Seite habe offenbar der Wille zum ernsthaften Gespräch gefehlt und die Verhandlungspartner hätten ständig neue Instruktionen von ihren Vorgesetzten bekommen. Von einem Abbruch habe die tibetische Seite aber abgesehen, weil das "auch uns geschadet" hätte. (APA)

 

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