Mindestens zehn Tote bei Polizeieinsatz gegen Drogendealer in Rio

5. August 2008, 06:36
2 Postings

Alle Toten offenbar Drogenhändler - Behörden gehen gnadenlos gegen organisierte Kriminalität vor - Amnesty spricht von Gewaltexzessen der Polizei

Rio de Janeiro - Bei einem blutigen Polizei-Einsatz in einem Elendsviertel von Rio de Janeiro sind mindestens zehn Menschen erschossen worden. Wie Medien unter Berufung auf Behördenangaben berichteten, geschah das Blutbad am Montagnachmittag im Slum Mangueirinha im Bezirk Duque de Caxias. Alle Todesopfer seien Verbrecher gewesen, versicherte ein Polizeisprecher. Nur ein Beamter sei verletzt worden.

Auslöser der stundenlangen Schießereien war den Angaben zufolge der Diebstahl eines Bierlastwagens. Auf der Suche nach dem Fahrzeug sei die Besatzung eines Polizeiwagens im Slum in die Enge getrieben worden. Die Beamten hätten Verstärkung angefordert. Daraufhin hätten Dutzende von Polizisten, darunter Elitebeamte, das Viertel mit Panzerwagen und einem Hubschrauber gestürmt, hieß es. Bei der Aktion nahm die Polizei nach eigenen Angaben fünf Männer fest. Außerdem seien Waffen und Drogen sichergestellt worden.

Bewohner des gestürmten Slums und Angehörige der getöteten Männer gingen am Abend auf die Straßen, um gegen den Polizei-Einsatz zu protestieren. Gewalttätige Razzien der Polizei sind in den sogenannten Favelas, den Slumgebieten von Rio, in den vergangenen Monaten immer häufiger geworden. Erst vor zwei Wochen wurden im Slum Minha Deusa neun Menschen von Polizeikugeln getötet.

Immer wieder kommt es in Slums, in denen die Drogenmafia ihre Bastionen hat, zu wahren Kriegsszenen. Allein zwischen Jänner und April wurden nach amtlicher Bilanz 75 Zivilisten erschossen. Unter den Opfern waren in diesem Jahr auch Kinder und Rentner. Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass die Polizei sich kaum um die Rechte der ärmeren Bürger kümmert. (APA/dpa)

 

Share if you care.