Staatsbegräbnis des Literaturnobelpreisträgers

5. August 2008, 06:12
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Hunderte Menschen nahmen im Moskauer Donskoj-Kloster Abschied von Alexander Solschenizyn

Moskau - Zur Beisetzung des Literaturnobelpreisträgers und früheren Regimekritikers Alexander Solschenizyn haben sich Hunderte Menschen am Mittwoch im Moskauer Donskoj-Kloster versammelt. Geistliche, Angehörige und Anhänger Solschenizyns hielten den gesamten Morgen Kerzen am Mahagoni-Sarg. Die Zeremonie in der Kathedrale des Klosters der russisch-orthodoxen Kirche wurde von zahlreichen Sicherheitskräften bewacht. Der offene Sarg mit dem Leichnam des weltweit geschätzten Schriftstellers war in der Kathedrale aufgebahrt. In der Nacht hatten Studenten am Sarg des Schriftstellers Gebete gelesen.

Die landesweit live im Fernsehen übertragene Beerdigung glich einem Staatsbegräbnis, eine Militärwache begleitete den Sarg, und es wurde ein dreifacher Salut gefeuert. Zu der Beisetzung kam auch Präsident Dmitri Medwedew, der seinen Urlaub unterbrochen hatte. "Er war eine unsere stärksten Persönlichkeiten, ein einzigartiger Mensch", sagte der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow vor der Zeremonie über den Verstorbenen. Anschließend trug eine militärische Ehrengarde den Leichnam zu dem Grab, Würdenträger der russisch-orthodoxen Kirche leiteten die Zeremonie mit Trauergesängen.

Geschichtsträchtiger Ort

Der am Sonntagabend im Alter von 89 Jahren gestorbene Schriftsteller hatte sich das Donskoj-Kloster als letzte Ruhestätte selbst ausgesucht. Auf dem parkähnlichen Friedhof des Klosters sind vor allem Vertreter des russischen Adels begraben. Das Gelände gilt auch politisch als geschichtsträchtiger Ort. Im 16. Jahrhundert erbaut, hatte die russisch-orthodoxe Kirche noch in den ersten Jahren der Sowjetunion hier ihren Sitz, 1934 wurde das Areal allerdings in ein Museum für russische Architektur umgewandelt, bis es 1991 wieder in die Hände der Kirche kam.

In einem Kondolenzschreiben an Solschenizyns Witwe Natalja würdigte Patriarch Aleksij II das Lebenswerk Solschenizyns, seinen Einsatz für die Bewahrung des reichen kulturellen Erbes Russland sowie die die Weiterentwicklung des sozialen, kulturellen und spirituellen Lebens im Land. Die vielen Prüfungen in seinem Leben habe er mit "Bescheidenheit und christlicher Würde" auf sich genommen, so Aleksij II. Solschenizyn hatte 1970 den Literaturnobelpreis bekommen. Vier Jahre später erschien sein Lebenswerk "Archipel Gulag", in dem er schonungslos die Bedingungen in russischen Arbeitslagern beschrieb. (APA/dpa)

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    Alexander Solschenizyn war im Moskauer Donskoj-Kloster aufgebart. Am Mittwoch wurde er auf dessen Friedhof beigesetzt.

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    Präsident Dmitri Medwedew und Patriarch Aleksij II am Grab des Nationalliteraten

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