Gegen Schumi und Bauer am Pann

5. August 2008, 17:00
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Mit der Triumph Daytona 675 versucht der glu, die Hondas mit Bauer & Schumacher anzugreifen – gelingt weder in noch außerhalb der Box

Der Martin Bauer hat gesagt: „Na kommst halt.". Dann komm ich halt. Zur Bauer'schen Ringveranstaltung. Oder, genauer gesagt: „mbre". So heißt das, Martin Bauer Racing Events. Und wenn ich schon am Ring bin, dann brauch ich auch ein gescheites Spielzeug. Der pannonische ist kein High-Speed-Ring, sondern mit seinen engen Kurven recht anspruchsvoll. Also eignet sich am ehesten eine 600er-Supersport, denk ich mir.

Der Bauer Martin selbst hat eine Holzhauer 1000er-CBR. Mit dem Gerät müsste er meiner Theorie nach schwer unterlegen sein, weil die ja ein High-Speed-Gerät ist. Und der Schumacher fährt die gleiche Reib'n. Inzwischen hat er davon angeblich drei daheim in der Garage stehen. Und alle noch ganz. Na, ich werde es den Burschen schon zeigen. Die glauben, dass sie mit ihren aufgemotzten 1000ern leichtes Spiel gegen mich haben, aber ich bin der bessere Taktiker. Auf einmal trifft mich eine Genieblitzidee. Nicht eine 600er werde ich wählen, sondern eine 675er. Dreizylinder. Supersport.

Ich greif zum Telefon und rufe bei Triumph an: „Uli, ich brauch eine Daytona. Ich muss den Schumacher und den Bauer am Pann richten." Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, was der Triumph-Pressechef geantwortet hat, aber irgendwie hab ich die Wortfetzen aus Zugluft, Knall, Fisimatenten und Gekicher mit „Ja!" übersetzt.

Muss „Ja!" geheißen haben, weil ich rolle mit der Daytona in die Boxenstraße. Voll auf Blender stell ich mich zur Einser-Box. Na, da drin spielt es sich ab. Der Bauer und der Schumacher tratschen da drin, während die Techniker auf wichtig an den Hondas schrauben. Man kennt das eh. In der Box noch blenden und draußen dann meiern (Und von wem kennen wir das wohl? mfgux ;-). Slicks haben s'aufgezogen, verstecken sie aber unter Reifenwärmern.

Ich bin da bescheidener. Ich den Supercorsa drauf, genauso wie Spiegel und Kennzeichen. Understatement pur. Grad, dass ich nicht auch noch die Warnweste - das Anfänger-Ringjackerl - angezogen hab. Aber das hab ich mich dann doch nicht getraut, weil sonst die Buben gach dem Irrsinn verfallen und glauben, dass sie eigentlich an mir vorbeikommen müssen und dann, weil sie nicht anbremsen, der Reihe nach ihre Eisen in den Kurvenschotter stecken.

>>> In Österreich heißt das noch immer: "Obi g'spritzt"!


Obwohl ich sehe, dass die Radln der beiden genauso unfertig sind wie sie selbst - der Bauer hat sein Sommerfrischler-G'wand an und der Schumacher strickt grad die Ärmel von seinem Sonntagshemd rauf - setze ich den Helm auf, starte den Dreizylinder, schreie den Kampfruf „Apfelschorle!" in die Box und fahre raus.

Herrliche Runden am Pann. Die Daytona zeigt, was sie kann. Die ersten drei Runden werde ich immer schneller, bis ich dann konstante Rundenzeiten fahre. Ich weiß, wo ich bremsen muss, wo ich ans Gas gehen kann, welchen Gang ich wo brauche. Ich experimentiere noch ein wenig. Hartes Anbremsen steckt die Daytona genau so locker weg wie Bodenwellen im schweren Hang-off. Das ist von der Stange schon besser als mancher nachgebesserter Reihenvierer. Sauberes Fahrwerk, was mir das wunderschöne Reifenbild in der Box bestätigen wird. Ich bin begeistert und ich bin bereit. Ich fahr in die Boxenstraße und schrei vor der Einserbox: „Kommt's auße zur Sause!"

Ich gönne Bauer und Schumacher ebenfalls ein paar Proberunden. Die gönnen sie sich auch. Ich seh vom Tower aus, wie der Bauer mit seiner Honda ganz schwer aus der letzten Kurve auf die Start-Ziel-Gerade schwanzelt, so dass ich denk, der geht gleich Kapern suchen. Er quittiert das später mit den Worten: „Wenn's ein bisserl wackelt, ist das wurscht, so lange sie Grip hat!"

Die Burschen sind soweit, ich bin es auch. Ich wieder „Apfelschorle!" und raus. Diesmal kommen sie mit. Es dauert nicht lange, bis ich Schumacher im Spiegel sehe. Und es dauert auch nicht lange, bis ich auch Bauer im Spiegel sehe. Huidibui. Die Tausender dürfte doch die bessere Wahl sein. Beim Anbremsen wird der Schumi im Spiegel auf einmal ganz groß und noch bevor er im toten Winkel verschwindet, ist er auf der Kurveninnenseite auch schon durch.

Wie ich es dem Herrn Bauer gegeben habe? Na, ich seh noch die rote Honda auf die Start-Ziel-Gerade kommen, als ich die Einserkurve anlenke. In der dritten Kurve beiße ich grad vom Zündschlüssel ab, als mich der Bauer innen am Hinterradl nimmt. Und ich kann mir ausrechnen, dass ich die beiden in diesem Turn nicht mehr sehen werde. Sie fahren ja nur rund eine Minute schneller als ich. Und weil sie immer nur drei Runden draußen sind, geht sich nur einmal Vollstrecken aus.

(Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Fülöp, 04.08.2008)

Guido Gluschitsch ist Chefredakteur bei www.motorradnet.at.

 

Technische Daten:
Marke: Triumph; Typenbezeichnung: Daytona 675; Farben: Neon Blue, Tornado Red, Jet Black; Baujahr: 2008; Motor: Viertakt-Dreizylinder-Motor; Kühlung: Flüssigkeitsgekühlt; Steuerung: DOHC; Hubraum: 675; Verdichtung: 12,65:1; Gemischaufbereitung: Elektronische Kraftstoffeinspritzung; Nennleistung: 91 kW (124 PS) bei 12.600/min; Max. Drehmoment: 72 Nm bei 11.600/min; Getriebe: 6-Gang; Endantrieb: Kette; Aufhängung vorne: Upside-down Gabel, Durchmesser 41 mm; Aufhängung hinten: Federbein, zentral; Radstand: 1395 mm; Nachlauf: 89 mm; Sitzhöhe: 825 mm; Trockengewicht: 165 kg; Bremse vorne: Doppelscheibenbremse, schwimmend gelagert, Durchmesser 308 mm; Bremse hinten: Einscheibenbremse, Durchmesser 220 mm, 1-Kolben Schwimmsattel; Reifen vorne: 120/70 ZR 17; Reifen hinten: 180/55 ZR 17; Tankinhalt: 17.4 Liter; Spitze: 260 km/h; Preis: 11990 .- Euro

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Triumph

  • Ein bisl verwundert war er schon der Herr Schumacher, als der glu auf einmal begann vom Angeln zu erzählen. Und von dem was wirklich passiert ist, lesen Sie im Artikel.
    foto: derstandard/fülöp

    Ein bisl verwundert war er schon der Herr Schumacher, als der glu auf einmal begann vom Angeln zu erzählen. Und von dem was wirklich passiert ist, lesen Sie im Artikel.

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