Die richtige, gute Auswahl

4. August 2008, 18:55
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Neben dem beschwerlichen Trübsinn, der die Vorwahlsaison durchwirkt, ist auch er noch nicht ausgestorben, der absolut intelligenzunbeschwerte Schwachsinn ...

Neben dem beschwerlichen Trübsinn, der die Vorwahlsaison durchwirkt, ist auch er noch nicht ausgestorben, der absolut intelligenzunbeschwerte Schwachsinn, der die unheilige Allianz von Wiener SPÖ mit der Familie Dichand kennzeichnet. Bei FP-Erfolg geht "Kaiserin" ins Exil, schockte "Heute" zum Wochenbeginn das U-Bahn-Publikum. 90 Jahre nach Isonzo steht Habsburg erneut auf einem Schlachtfeld, betätigte sich ein RS, was auf den Chefredakteur hindeutet, als Historiker. Weil Francesca Habsburg "profil" mitgeteilt habe, falls die FPÖ in eine Regierung käme, würden einige Leute aus Österreich weggehen, darunter wahrscheinlich auch ich, empörte er sich über diese klarste Kriegserklärung Habsburgs seit dem 28. Juli 1914: Immerhin will so die Gattin des - theoretischen - Thronfolgers Karl als erstes Mitglied des Habsburger-Clans seit 1918 direkten Einfluss auf Österreichs Innenpolitik nehmen. HC Strache ahndete diesen Verstoß gegen die Habsburgergesetze sofort: Die Frau sei kein Demokrat.

Am Sonntag schlug dann das geistliche Oberhaupt der "Kronen"-Sippschaft mit dem Beweis zu, dass auch eine gekränkte Leberwurst unter Gedankenflucht leiden kann. Als die amerikanische Besatzung unsere Heimat räumte, wurde der "Kurier" eine österreichische Tageszeitung, hub er an, und jeder, der den schreiberischen Ergüssen Hans Dichands seit längerem ausgesetzt ist, weiß auch schon, was unweigerlich kommen muss: Damals übernahm ich, gemeinsam mit Hugo Portisch, die Chefredaktion. Daher: Erfolg unausweichlich, bis er sich entschloss, im Jahre 1959 die "Kronen Zeitung" herauszubringen. Aber stets mit dem "Kurier" verbunden. Und jetzt tut man ihm das an! Nun habe ich am Freitag im "Kurier" einen Kommentar von keinem Geringeren als dem Noch-Staatsoperndirektor Ioan Holender gelesen.

Ehe man vom grausigen Inhalt der Lektüre erfährt, wird man mit der Schilderung eines schönen Projekts auf die Folter gespannt, das ein Schloss in Rumänien, Gustav Klimt, Hans Dichand und Ioan Holender zusammenschweißen sollte: So bin ich mit Ioan Holender auch durch die gemeinsame Bewunderung für Klimt verbunden. Und nicht nur das. Sein Sohn Adrian ist übrigens seit einiger Zeit bei uns ein durchaus erfolgreicher Kolumnist.

Ohne bisher etwas gedacht zu haben - jetzt kommt's: Ganz anders denke ich jetzt beim Lesen eines Artikels von Vater Holender im "Kurier". Es geht dabei um die Kritik an dem Brief, den mir als Herausgeber der "Krone" Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Minister Werner Faymann geschrieben hatten. Worum es Holender père im "Kurier" ging, brauchte der "Krone"-Leser nicht zu erfahren, daher hier als Nachtrag: Den Filz von Politik und Medien nennt die Neue Zürcher Zeitung den wahrhaft schändlichen Leserbrief an jene Tageszeitung. . . Hätten die Verfasser des Leserbriefes ein wenig über die möglichen Folgen nachgedacht und sich nicht nur vom Wunsch nach Sympathisanten aus dem unsympathischen Lager bemüht, so hätten sie den Brief nicht geschrieben.

In diesen Formulierungen wollte Dichand vor allem einen Irrtum Vater Holenders, den Adressaten des Briefes betreffend, erkennen. Wem hätten sie ihn denn schicken sollen? Wo hätte das mehr, geradezu internationale Aufmerksamkeit gefunden als in der "Krone"? Der Brief hätte mit Sicherheit dieselbe internationale Aufmerksamkeit gefunden, wäre er an alle Zeitungen gegangen, aber die erstrebte nationale Wirkung eines Kniefall vor Onkel Hans hätte er dann wohl nicht erzielt.

Den schändlichen Leserbrief verschweigt man einfach, daher kein Problem. Allerdings steht auch etwas ganz Böses in dem "Kurier"-Artikel, nämlich, dass ich selbst "eifriger Leserbriefschreiber" sei. Auch wenn Vater Holender dieses hartnäckige Gerücht nur unter angeblich weitergab - es kränkt. Warum sollte ich das tun? Da streichelt man lieber seinen Hund. Wir erhalten täglich Hunderte Briefe. So besteht unser Problem darin, dass es schwer ist, eine richtige, gute Auswahl zu treffen.

So schwer kann das auch wieder nicht sein, wenn die Vorgaben dabei so klar sind, wie sie sich täglich in der richtigen, guten Auswahl widerspiegeln. Dabei darf sich die Schwäche der Meinungsvielfalt ebenso wenig einschleichen wie in der Redaktion oder bei der Beschäftigung von Kolumnisten. Gusenbauer und Faymann haben in ihrer Partei ja auch nicht lange herumgefragt, sondern selber die richtige, gute Auswahl getroffen. Wenn Vater Holender nur nicht seinem Sohn, dem erfolgreichen Kolumnisten, geschadet hat! (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 5.8.2008)

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