ORF-Sender mit Ost-Ambition

4. August 2008, 18:47
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Die ORS bereitet sich darauf vor, Sendernetze in Osteuropa zu übernehmen - Gesellschafter Raiffeisen hilft dabei - Der teure Umstieg auf Digitalfernsehen macht Regierungen private Betreiber schmackhaft

Als Zweite ging die ORF-Sendertochter ORS 2005 in Ungarn ins Ziel: Mit 170 Millionen Euro blieb sie 20 unter dem Gebot der Swisscom für die Antena Hungaria, das Sendernetz in Ungarn.

Ironie der Geschichte: Die erstplatzierte Tochter der Schweizer Telekom zog sich dann doch wieder aus Ungarn zurück. Die Antena Hungaria gehört inzwischen TdF. Dieser französische Senderriese kam die ORS seither zumindest zweimal zuvor:

  • Die Tochter von ORF und Raiffeisen zeigte 2007 ernstes Interesse an der Senderfirma der deutschen Telekom. Börsenpläne wurden intern schon gewälzt, um diese Media Broadcast zu übernehmen. Schließlich winkte man ab: Zu groß sei das Projekt. Die deutsche Telekom verkaufte an TdF.
  • Gleich darauf holte die Media Broadcast in diesem Frühjahr die Lizenz für Handyfernsehen in Österreich. Die deutsch-französische Gruppe verbündete sich für die Bewerbung mit One und 3, während der ORS in letzter Minute A1 mit einer eigenen Bewerbung abgesprungen war. Nun liefert die ORS die Technik zu; wie künftig wohl auch bei regionalen Digitalsendern, deren Lizenzen die KommAustria bis Herbst vergeben will.

Expansionspläne über die Grenzen hinaus hat die ORS nicht aufgegeben, bestätigt dem Standard Geschäftsführer Michael Wagenhofer. Als mögliche Ziele kursieren etwa Tschechien, die Slowakei und Rumänien. Das kommentiert Wagenhofer nicht.

Bis spätestens 2015 sollen alle EU-Mitgliedsländer von analoger auf digitale Übertragung von Fernsehsignalen umgestellt haben. Und bisher war diese Umstellung "in der Regel" ein Anlass, über eine Privatisierung nachzudenken, die ausländisches Geld für derlei Großprojekte ins Land holt, erklärt der ORS-Manager.

"Wir sondieren Projekte"

"Wir sondieren Projekte in dieser Region", sagt Wagenhofer: "Aktuell ist aber nichts anhängig." Für den Fall des Falles wolle man sich durch "Netzwerkaufbau" in eine "günstige Startposition" bringen. Dabei hilft die Investmentbank von Raiffeisen. Der Agrarier- und Finanzkonzern hält 40 Prozent an der ORS.

Die ORS klagte im Frühjahr ATV, weil der Kanal Mieten für Digital-TV schuldig blieb. Bei ATV rechnet man mit Kompromiss. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 5.8.2008)

  • Rumänien statt Niederösterreich? Senderbetreiber ORS sondiert in Osteuropa. Im Bild noch Heimisches: der Sender Jauerling.
    foto: ors

    Rumänien statt Niederösterreich? Senderbetreiber ORS sondiert in Osteuropa. Im Bild noch Heimisches: der Sender Jauerling.

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