Vorhang fällt für Architekten der neuen Linzer Oper

4. August 2008, 18:27
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Der Bau der neuen Oper in Linz verzögert sich. Die Fassadengestaltung des Architekten Terry Pawson missfällt dem Land Oberösterreich. Es verhandelt mit dem Architekten bereits über einen Ausstieg

Linz - Das Land Oberösterreich distanziert sich immer mehr von den aktuellen Plänen seines eigenen neuen Opernhauses. Nach Informationen des Standard soll bereits über ein Ausstiegsszenario mit dem Architekten Terry Pawson für den Bau der neuen Linzer Oper verhandelt werden. So sollen laut einem Insider, der ungenannt bleiben will, bereits Rechtsanwälte eingeschaltet worden sein. Der Auftraggeber, das Land Oberösterreich, soll mit einer Abschlagszahlung von 1,7 Millionen Euro in die Gespräche gegangen sein, der Londoner Architekt wolle 3,1 Millionen Euro. Angedacht sei, dass Pawson nach dem Einreichplan für sein "Theater am Park" das Projekt abgibt.

Thomas Königstorfer, Vorsitzender der Musiktheater Linz GmbH, bestätigt zumindest so viel: "Pawson wird bis zur Baugenehmigung das Projekt betreuen." Landeshauptmann Josef Pühringer (VP), der diese Woche in China ist, hatte bereits am Wochenende grundsätzlich erklärt, dass laut Vertrag der planende nicht auch der ausführende Architekt seien muss. Anlass, die Zusammenarbeit mit Pawson möglicherweise aufzukündigen, ist die Fassadengestaltung. Sieben Varianten hatte der Architekt dem Gestaltungsbeirat - in dem auch Königstorfer sitzt - Ende Juni präsentiert. Keine davon stieß auf Zustimmung. "Die Idee vertikaler Lamellen ist nicht überall ideal", meint Königstorfer. Über Details sei man nach wie vor in einem "Diskussionsprozess".

Planungsstadtrat Klaus Luger (SP) formuliert es so: "Einen luftigen Vorhang erkenne ich nicht, das Ganze sieht eher aus wie ein Klotz." Ende August werde Pawson weitere Alternativen präsentieren. Warum mehr als zwei Jahre nach dem internationalen Wettbewerb das Siegerprojekt auf einmal kritisiert werde, erklärt Luger so: Pawson hatte keine konkreten Vorschläge zur Fassadengestaltung eingereicht (was von der Jury akzeptiert wurde). "Es waren nur Ansätze der Fassadengestaltung gegeben", sagt auch Königstorfer.

So ist die Oper nun ein Streitfall. Die Auseinandersetzungen über die Fassadengestaltung haben schon dazu geführt, dass der Baubeginn um Monate nach hinten rückt (Winter 2008/2009) und die Kosten von 143,5 Millionen Euro nicht eingehalten werden können. (Kerstin Scheller, DER STANDARD/Printausgabe, 05.08.2008)

  • Mitten in der Innenstadt von Linz, auf der Blumau, soll die neue Oper
entstehen. Über ihr Äußeres wird derzeit heftig debattiert.
    foto: land oö

    Mitten in der Innenstadt von Linz, auf der Blumau, soll die neue Oper entstehen. Über ihr Äußeres wird derzeit heftig debattiert.

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