Autozeitalter beginnt jetzt

4. August 2008, 18:18
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Laut Prognosen wird die weltweite Autoproduktion bis 2020 von derzeit rund siebzig auf hundert Millionen Fahrzeuge pro Jahr anwachsen - Von Leo Szemeliker

Jedes Mal, wenn einer der US-Autokonzerne wieder einmal eine Horrormeldung über die Nachrichtennetzwerke schicken muss, wonach zig Millionen Dollar Verluste gebaut werden und deswegen zigtausend "car workers" ihren Job verlieren, wird sich mancher Autohasser denken: "Gut so. Alte Industrie. Bauen nur spritfressende Stinker. Weg mit ihnen." Doch sie werden bis 2020 enttäuscht sein. Denn bis dahin, so die Prognosen, wird die weltweite Autoproduktion von derzeit rund siebzig Millionen Fahrzeugen pro Jahr auf hundert Millionen angewachsen sein. Es ist nur zu hoffen, dass die Autos anders aussehen als heute.

Die US-Autoindustrie hat sich mit ihrer Modellpolitik furchtbar geirrt. Pick-up-Laster und schwere Geländewagen, alles andere wäre unamerikanisch - diesen Eindruck hat man jedes Mal, wenn man auf einer US-Automesse sieht, dass "the biggest bolts in the industry" ("die größten Schrauben der Branche" ) als Werbung für die Technik eines Fahrzeuges durchgeht, wenn neue Pick-ups mit dem Auftrieb von Longhorn-Rinderherden mit Cowboys unter dem Abspielen von Country-Fanfaren mitten in Detroit promotet werden. Jetzt rächt sich der Starrsinn, plötzlich will man angesichts von Milliardenverlusten auch kleinere Autos bauen.

Für Österreichs Industrie sind die ölpreisbedingten Umbrüche in Einzelfällen mit Verlusten verbunden, insgesamt aber eine Chance - was neue Technologien, Werkstoffe und der Umgang mit ihnen betrifft. Die Massenfertigung von Billigautos und Komponenten dafür wird vermehrt östlich von Wien passieren. Für die schlauen heimischen Zulieferer jedoch beginnt trotzdem genau jetzt ein neues Autozeitalter. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2008)
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