Kopf des Tages: Jungsopran mit vollem Terminkalender

4. August 2008, 18:06
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Vorbei die Zeiten, als eindeutig schien, was ein echter Klassikstar ist: Nino Machaidze errang als Julia einen großen Publikumserfolg

Vorbei die Zeiten, als eindeutig schien, was ein echter Klassikstar ist. Mittlerweile gelten auch so leichtgewichtige Popsänger wie Andrea Bocelli, nur weil sie eine opernhaft gefärbte Stimme haben, als solche. Andere hingegen, die innerhalb der Musiktheaterwelt hohe Reputation genießen, werden von diesem Begriff nicht einmal gestreift. Dann aber gibt es noch jene Sänger, die auf großen Bühnen überzeugen, es jedoch durch angenehmes Äußeres und heftigen Kontakt mit dem Boulevard geschafft haben, auch beim opernfernen Publikum leuchtende Augen zu bewirken - so wie Anna Netrebko, zu der das Wort Star passt.

Ob sich die 1983 in Tiflis geborene Nino Machaidze, die nun in Salzburg als Julia für die schwangere Netrebko einsprang und einen großen Publikumserfolg verbuchte, in diesem Starbereich dauerhaft etablieren kann, ist unklar. Sie sieht ein bisschen aus wie Angelina Jolie, was kein Nachteil ist. Sie scheint den Rummel zu genießen und muss auch entsprechende Nerven haben, um das Drumherum auszuhalten. Und sie hat keine Hemmungen, Privates preiszugeben. Man hat aus ihr herausgebracht, dass sie ihre an Krebs verstorbene Mutter im Himmel wähnt, auch dass sie mit einem Bariton verlobt ist.

Zudem ist längst ein doppelter Kinderwunsch aktenkundig und die Vision von einer Hochzeit in Weiß. Dies alles gutgelaunt ausgeplaudert zu haben, zeigt, dass sie bereit ist, einen Teil des Preises für kommerziellen Erfolg zu zahlen. Trotz toller dramatischer Salzburger Vokalmomente weist ihre Stimme allerdings nicht die robuste Tadellosigkeit der Netrebko auf. Und das birgt Gefahren in sich.

Es ging ja auch alles sehr schnell. Wettbewerbssiege haben Machaidze zu Stipendien verholfen, die sie an die Akademie für junge Sänger an der Mailänder Scala brachten. Ebendort feierte sie 2007 einen Erfolg in der Regimentstochter. Und nun war sie schon in Salzburg.

Zum Verschnaufen ist denn auch in Zukunft erst recht keine Zeit. Da sind Pläne sonder Zahl, sie ist schon bis 2010 (Debüt an der Met) ausgebucht, auch lukrative CD-Pläne werden bald präsentiert. Verständlich, dass sie ihre Ausbildung für abgeschlossen hält und meint, fürs Lernen sowieso keine Zeit mehr zu haben. Jetzt ginge es einfach von einem Engagement zum nächsten. Die sollen sich um Donizetti, Verdi und Puccini drehen.

Es ist ihr Glück zu wünschen, aber auch ein Gespräch mit "ihrem Romeo" Rolando Villazón. Der weiß, wie schnell eine Stimmkrise kommen kann. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD/Printausgabe, 05.08.2008)

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    Nino Machaidze errang als Julia einen großen Publikumserfolg.

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