Politgipfel zur Zukunft der Airline

4. August 2008, 18:33
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Politiker und ÖIAG formulieren heute den Privatisierungs­auftrag, Analysten erwarten keinen Total­verkauf, Gewerkschafter fordern einen Wechsel an der Spitze

Wien - Heute Dienstag werden die Weichen für die Zukunft der Austrian Airlines gestellt. Die Staatsholding ÖIAG und die Regierungsspitze entscheiden über den Privatisierungsauftrag der kriselnden Fluglinie. Die ÖIAG hält noch 42,75 Prozent an der AUA. War der Verkauf der nationalen Airline zuletzt parteipolitisch heftig umstritten, hat man sich nun angenähert.

Die SPÖ hatte lange für den weiteren Alleingang der AUA plädiert. Nun will sie sich mit einem Staatsanteil von 25 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben - vorausgesetzt, die Sperrminorität ist Bedingung bei der Privatisierung. Er halte nichts davon, alles aus- und abzuverkaufen, unterstrich der designierte SPÖ-Chef Werner Faymann.

Die Sperrminorität gilt auch als Ziel der ÖVP. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein will einen Totalrückzug des Staates jedoch nicht ausschließen. Von Einschränkungen halte er jedoch wenig, sagte er zum STANDARD.

Analysten sehen eine vollständige Privatisierung der Fluglinie derzeit als eher unrealistisch. Der Totalverkauf müsse nicht auf Biegen oder Brechen durchgesetzt werden, für viele potenzielle Käufer könne auch die Option auf die restlichen 25 Prozent in drei bis fünf Jahren interessant sein. "Es wäre ein Kompromiss, der keinem wirklich wehtut", meint etwa Bernd Maurer, Experte der Raiffeisen Centro Bank, im Gespräch mit dem STANDARD.

Flexible Rahmenbedigungen

Die Erste-Bank-Analystin Martina Valenta hingegen sieht den Verkaufsprozess dadurch eher gefährdet. Es brauche flexible Rahmenbedingungen und so viel Freiheit wie möglich. Denn das Umfeld sei rau: Flugaktien sind unter Druck, vor allem die steigenden Kerosinpreise belasten. Und das Ende der Finanzmarktkrise ist nicht absehbar. Wilhelm Rasinger, Chef vom Interessenverband für Anleger, befürchtet, dass der Deal auf dem Rücken der Kleinanleger ausgetragen werde. Die politischen Debatten hätten den Preis gemindert. Nach dem Verkauf gebe es für Privatanleger vermutlich keinen Platz mehr. Rasinger fordert für sie ein "faires Angebot" . Es könne bei einem Kurs von 7,10 Euro - dem Level vor eineinhalb Jahren - liegen, meint er. Am Montag notierten AUA im Verlauf bei 3,94 Euro.

Die Grünen verlangen von der Regierung die Vorlage jener Papiere, auf deren Basis über Privatisierung oder Sperrminorität entschieden werde. Die FPÖ wartete mit einem Alternativvorschlag auf: Die ÖIAG sollte 25 Prozent plus eine Aktie an den Flughafen Wien abgeben. Damit würden Start- und Landegebühren der Muttergesellschaft zukommen.

Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl fordert eine neue AUA-Spitze - ohne Abfertigung. "Wenn Manager so versagen", gebe es keine andere Möglichkeit, als sich von ihnen zu trennen. (APA, vk, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2008)

  • Wer an das Steuer der Austrian Airlineswill, braucht starke Nerven. Die
nationale Fluglinie fliegt hohe Verluste ein.
    foto: aua

    Wer an das Steuer der Austrian Airlineswill, braucht starke Nerven. Die nationale Fluglinie fliegt hohe Verluste ein.

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