Leichenöffnung in privatem Institut

4. August 2008, 17:46
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Plan von moderner Wiener Gerichtsmedizin ähnlich Belegspital steht seit Monaten

Wien - Als "Schritt zurück ins Mittelalter" bezeichnet Gustav Scholda die Containerlösung der Stadt Wien für die Obduktion von Leichen am Zentralfriedhof. Wie der STANDARD berichtete, soll das Provisorium für die Lagerung und Untersuchung vor allem von Faulleichen im Herbst in Betrieb gehen. Dafür werden Kosten von rund 300.000 Euro kolportiert. Landessanitätsdirektorin Karin Spacek wollte keine Zahlen nennen.

Scholda war Mitbegründer des Futurelab (einer Holding, die Labors betreibt), hat seine Anteile daran verkauft und will mit dem Geld nun seine Vision von einer modernen Wiener Gerichtsmedizin verwirklichen. Zu diesem Zweck hat er einen Businessplan für ein privat betriebenes Institut erstellt. In der Planung steht dem Internisten Richard Dirnhofer, Erfinder der Virtopsie (virtuelle Autopsie) und ehemals DNA-Gutachter im Fall Unterweger, zur Seite.
Scholda würde neben Obduktionen auch Vaterschaftstests und toxikologische Analysen unter einem Dach anbieten und die Einrichtung ähnlich wie ein Belegspital führen. Auch Forschung und Lehre sollen Platz finden. Das alles sei in einem um rund sechs Millionen Euro modernisierten Department für Gerichtsmedizin in der Sensengasse möglich. Ein Neubau auf der grünen Wiese würde zirka 20 Millionen kosten. Ein Viertel der Kosten wäre Eigen-, der Rest Fremdkapital.

Fertiges Konzept

Das fertige Konzept liege seit Monaten bei Stadt Wien, Med-Uni, Justiz-, Gesundheits-, Innen- und Wissenschaftsministerium auf. Nur wenige Reaktionen seien bisher gekommen. Aus dem Büro der Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, das die Arbeitsgruppe zur Zukunft der Gerichtsmedizin leitet, heißt es: "Scholdas Konzept wird derzeit analysiert und noch in der Arbeitsgruppe besprochen werden." Bis Ende September will Kdolsky einen konkreten Entwurf für die politischen Entscheider auf dem Tisch haben. Inwieweit Scholdas Plan dabei berücksichtigt werde, sei noch offen. Dieser wird langsam ungeduldig: "Ich habe noch kein einziges Gespräch bekommen. Ich kann mein Geld auch anders ausgeben." (Gudrun Springer/DER STANDARD-Printausgabe, 5.8.2008)

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