Finanzkrise nagt weiter an Bankgewinnen

4. August 2008, 18:56
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Der Abschreibungsbedarf bei Banken geht weiter. Die Royal Bank of Scotland steht vor dem größten Halbjahres­verlust, den eine britische Bank je einfuhr

London - Milliardenschwere Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise machen Europas größter Bank HSBC zu schaffen. Bankchef Stephen Green sprach am Montag von den "schwierigsten Bedingungen an den Finanzmärkten seit Jahrzehnten". Der Gewinn der Bank mit Sitz in London brach um 28 Prozent auf 10,2 Mrd. Dollar (6,55 Mrd. Euro) ein.

Insgesamt schlugen Wertberichtigungen von 14 Mrd. Dollar zu Buche. Sie konnten selbst durch ein starkes Wachstum in Asien nicht voll ausgeglichen werden. Das Geschäft in der boomenden Region hatte HSBC bisher vor größeren Verlusten bewahrt. Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich Green alles andere als optimistisch. "Bevor sich die Wirtschaft von dieser Krise erholt, dürfte es eher noch schlechter werden".

Gut zehn Milliarden Dollar der Gesamtbelastung im ersten Halbjahr sind auf Wertkorrekturen bei US-Hypothekendarlehen zurückzuführen, die von dem Preisverfall im Zuge der Finanzkrise stark betroffen sind. Im Investmentbanking musste HSBC weitere 3,9 Mrd. Dollar abschreiben. Der Gewinn in der Sparte ging um über ein Drittel auf 2,9 Mrd. Dollar zurück.

RBS: Hoher Verlust erwartet

Die Finanzkrise hat auch der britischen Royal Bank of Scotland (RBS) im ersten Halbjahr einen Milliardenverlust beschert. Bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für die ersten sechs Monate sei am Freitag mit einem Vorsteuerverlust von mindestens einer Milliarde britischen Pfund (1,27 Mrd. Euro) zu rechnen, berichtet die Sunday Times ohne Nennung von Quellen. Dies wäre der höchste Verlust, den eine britische Bank jemals in einem Halbjahr verbuchte. Grund seien Belastungen wegen der Finanzkrise in Höhe von fast sechs Mrd. Pfund.

Mit hohen Abschreibungen und einem Gewinneinbruch kämpft auch der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis. Das Nettoergebnis sank im zweiten Quartal um die Hälfte auf 830 Mio. Euro. Die im Zuge der Krise verbuchten Abschreibungen summierten sich auf 362 Mio. Euro. Für das Halbjahr wies Fortis einen Gewinn von 1,6 Mrd. Euro aus nach 2,8 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.
"Die Turbulenzen am Kreditmarkt haben weiterhin Einfluss auf Fortis" , erklärte Herman Verwilst, der den Chefposten bei Fortis kommissarisch innehat. Er war auf Jean-Paul Votron gefolgt, der wegen der lange geheim gehaltenen Geldnot des Konzerns in der Kritik stand.

Die Krise wird so schnell kein Ende nehmen. In den USA werden laut dem Wirtschaftsexperten und New Yorker Uni-Professor Nouriel Roubini aufgrund der Rezession noch Hunderte von Banken pleite gehen. Zur Rettung der angeschlagenen Institute dürften die Steuerzahler mit mindestens einer Billion Dollar (642 Mrd. Euro) zur Kasse gebeten werden. Die Banken hätten im Zuge der Hypothekenkrise bisher nur ihre Subprime-Kredite abgeschrieben. Vor ihnen lägen aber noch Verluste aus dem Konsumentenkreditgeschäft, für die sie keine Reserven hätten. (dpa, Reuters,  DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2008)

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    Europas größte Bank HSBC leidet unter der Finanzkrise. Nicht einmal das boomende Asiengeschäft konnte die Verluste decken.

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