Die Rückkehr des Alten vom Berge

4. August 2008, 17:27
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Jörg Haider hat sich wieder einmal dafür ent­schieden, in die Bundespolitik zurückzukehren - als befristeter Kanzlerkandidat - ein Kommentar der anderen von Andreas Mölzer

Kein Signal der Erneuerung, meint ein Ex-Weggefährte, sondern eine auf Kärnten ausgerichtete Wahlstrategie.

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Nahezu dreißig Jahre ist es her, dass der junge Oberösterreicher Jörg Haider im Jahre 1979 das Kärntner FPÖ-Nationalratsmandat des Otto Scrinzi übernahm. Letzterer ist indessen 91 Jahre alt und bei bemerkenswerter geistiger Frische. Der seinerzeitige Jungmandatar geht indessen rasant auf die sechzig zu und wirkt im Gegensatz zu seinem Vorgänger bisweilen ein bisschen verwirrt.

Da erwägt er dieser Tage beispielsweise, wieder einmal, für den Nationalrat kandidieren zu wollen. Um gleichzeitig zu versichern - er wolle die Bürger nicht anlügen -, dass er gar nicht in diesen einziehen werde. Vielmehr sei er, der designierte Chef einer Vier-Prozent-Partei, gewillt, als Kanzlerkandidat "den Wiener Saustall" auszumisten. Da könnte schon Heiterkeit aufkommen.

Nun ist der Bärentaler als indes längstdienender Politiker der Republik zweifellos Experte, wenn es sich um Sauhaufen handelt. Die Kärntner können nach seiner zehnjährigen Regentschaft ein Lied davon singen: Seebühne, Stadion, Hypo Alpe Adria, Krankenhaus Klagenfurt und so weiter und so fort ... Ein Signal für politische Erneuerung ist der Langzeit- und Altpolitiker aber gewiss nicht mehr. Eher schon ein Symptom für die politischen Wirrnisse, in denen sich die Republik befindet.

Fundamentalopposition

Der Niedergang der etablierten Großkoalitionäre, also der beiden Volksparteien SPÖ und ÖVP, ergibt in einer gewissen Automatik Chancen für Klein- und Splitterparteien - und natürlich auch für Fundamentalopposition. Genau mit dieser Fundamentalopposition hat Haider die politische Landschaft Österreichs in den 90er-Jahren geprägt. Damit hat er Stimmenmaximierung betreiben können, bis hin zum Aufstieg seiner Partei zur zweitstärksten Kraft im Lande. Das Scheitern seiner Konzeption der inhaltlichen Beliebigkeit und der personellen Austauschbarkeit in der Regierung will er nun schlicht und einfach nicht zur Kenntnis nehmen.

Als politischer Wiedergänger versucht er, mit demselben Erfolgsrezept neuerlich zu punkten. Gleichzeitig geht es ihm wohl auch darum, den neuen FPÖ-Chef Strache einzubremsen, da dessen rasanter Aufstieg sein eigenes Wirken zusätzlich in den Schatten stellt. Dazu ist ihm nahezu jedes Mittel recht. Skrupulös war der Bärentaler diesbezüglich ja noch nie. Und jeder, der mit Strache in innerparteilichen Konflikt gerät, darf damit rechnen, bei der orangen Truppe Aufnahme zu finden. Sogar verspätete Adoranten der heiligen Inquisition und selbsternannte Schwulenjäger.

Welches politische Ziel der Bärentaler verfolgt, wenn er wie der legendäre altorientalische "Alte vom Berg" seine Assassinen aussendet, ist längst nicht mehr erkennbar. Geht es ihm nur um Destruktion, nur um den politischen Gag, nur um Befriedigung seiner Eitelkeit? Sicher ist jedenfalls, dass es ihm um sein Bundesland geht. Weniger um dessen Gedeihen und das Wohl seiner Bewohner, nein, um sein Bundesland als höchsteigene politische Bastion. Seine Kanzleransage und die Rückholaktionen gegenüber vormaligen Todfeinden dienen letztlich nur dazu, diese Kärntner Bastion zu halten, seine Ausgangsposition für die bevorstehenden Landtagswahlen zu verbessern, den Griff auf die absolute Mehrheit zu ermöglichen.

Wem das Ganze nutzen soll? Der Republik gewiss nicht. Dem Land Kärnten auch nur in geringem Maße. Dem Dritten Lager oder der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft schon gar nicht. Vielleicht noch dem einen oder anderen Politquerulanten, der sich solcherart noch einmal ein Mandat erschleichen kann. Und gewiss ihm selbst, dem in die Jahre gekommenen "Alten vom Berg". (DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2008)

Der ehemalige Chefideologe der FPÖ ist Abgeordneter zum Europaparlament.

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