Staatsanwaltschaft: Keine neuen Daten

4. August 2008, 16:53
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Laut Staatsanwaltschaft sind die aufgetauchten Kontodaten keine zusätzlichen Belege

Rostock/Düsseldorf - Die am Freitag im Rostocker Liechtenstein-Prozess überreichten Kontodaten sind laut Staatsanwaltschaft keine zusätzlichen Belege.

Es handle sich um die Belege, mit denen die Liechtensteinische Landesbank LLB um neun Mio. Euro erpresst worden sei und die sich im Besitz der drei Angeklagten befunden haben, sagte Staatsanwalt Peter Lückemann am Montag.

Er widersprach damit der Rechtsanwältin des Hauptangeklagten, Leonore Gottschalk-Solger. Diese hatte am Montag gesagt, es handle sich um neue Datenblätter. Ziel der Übergabe sei es gewesen, dass die Geschäfte der Bank überprüft werden.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Rostock nach eigenen Angaben in einem Erpresserprozess um Schwarzgeldkonten Unterlagen mit Daten von voraussichtlich über 1.800 deutschen Kunden der Liechtensteinischen Landesbank LBB erhalten. Diese würden nun von Steuerfahndern ausgewertet, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Oberstaatsanwalt Peter Lückemann, am Montag. Diese prüften nun, ob die aufgeführten Einkünfte "steuerlich erklärt worden sind". Wo dies nicht der Fall sei, würden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

600 Blätter

Den Ermittlern seien rund 600 Blätter übergeben worden, auf denen jeweils Daten von drei bis vier Kunden des Geldhauses zu finden seien, sagte Lückemann weiter. Die Datensätze seien umfassend. So seien Depotnummern, Zinsen, Namen und Anschriften der Inhaber aufgeführt. Nach einer ersten Prüfung könnten sich die Vermögenswerte auf insgesamt Milliarden von Euro belaufen. Eine Größenordnung von drei Mrd. Euro sei möglich. In Depots befänden sich sechsstellige, aber auch teils siebenstellige Euro-Beträge. Die Unterlagen waren der Staatsanwaltschaft in einem Prozess gegen mehrere Männer übergeben worden, die die LBB mit Kontendaten über mögliche Schwarzgelder erpressen wollten. Deren Verteidiger hätten nun aber keine weiteren Unterlagen mehr in Aussicht gestellt.

In weiteren Ermittlungen geht auch die Staatsanwaltschaft Bochum gegen Steuersünder vor, die über Liechtensteiner Stiftungen Gelder am Fiskus vorbeigeleitet haben sollen. Die Bochumer Ankläger ermitteln auch gegen den ehemaligen Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel. Ausgelöst wurden diese Ermittlungen durch die Datensammlung einer Liechtensteiner Bank, die der Bundesnachrichtendienst Regierungskreisen zufolge für 4,2 Mio. Euro gekauft hatte. (APA/dpa/Reuters)

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