Große Athener Fußstapfen

4. August 2008, 13:52
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In China gehen 70 österreichische Athleten in 14 Sportarten an den Start. Alle werden Sieger sein, die einen mit, die anderen ohne Edel­metall - Die Medaillen-Chancen im Überblick

Peking/Qingdao/Hongkong - Nach zwei Goldmedaillen, vier Silbernen und einer Bronzenen bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen ist die Erwartungshaltung an die 70 Athleten des Österreichischen Olympischen Komitees bei den Sommerspielen in China groß. In 14 Sportarten mischen rot-weiß-rote Sportler mit, in gut zwei Drittel sind die Chancen auf Medaillen auch wirklich gegeben. ÖOC-Präsident Leo Wallner hofft auf "die eine oder andere Medaille", Generalsekretär Heinz Jungwirth freut sich über jede, gibt sich aber zurückhaltend: "Zwei oder drei wären sehr schön."

"Sports Illustrated" gibt Österreich drei Medaillen

Geht es nach der Prognose der renommierten US-Fachzeitschrift "Sports Illustrated" (SI) in ihrer Olympia-Ausgabe, dann würde Österreich bei den Sommerspielen in China drei Medaillen gewinnen - und dabei keine in Gold. Silber ginge demnach an die Tornado-Segler Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (hinter den Australiern Darren Bundock/Glenn Ashby) sowie an Judoka Sabrina Filzmoser in der Klasse bis 57 kg (hinter Kye Sun Hui aus Nordkorea), über Bronze hinter den US-Amerikanern Aaron Peirsol und Ryan Lochte würde sich Markus Rogan über 200 m Rücken freuen dürfen. Allerdings hat die SI-Prognose - zumindest aus österreichischer Sicht - 2000 in Sydney und 2004 in Athen so überhaupt nicht gestimmt.

Österreichs Medaillen-Chancen im Überblick:

BEACH-VOLLEYBALL: Echter Medaillen-Tipp ist keines der drei ÖVV-Tandems. Doch die Ex-Europameister Clemens Doppler/Peter Gartmayer haben zuletzt in Klagenfurt und heuer schon insgesamt zweimal als Grand-Slam-Fünfte bewiesen, dass sie nahe dran und bei wichtigen Turnieren stark sind. Eine gute Saison haben Doris und Stefanie Schwaiger, für sie ist ein Viertelfinale durchaus machbar. Florian Gosch/Alexander Horst scheinen für einen großen Coup zu unbeständig.

FECHTEN: Zählte er in Athen zum erweiterten Favoritenkreis, so kann der Salzburger Florettfechter Roland Schlosser in Peking nur überraschen. Mit EM-Bronze in Kiew Anfang Juli hat er sich nach harten Zeiten aber wieder international ins Rampenlicht gebracht.

JUDO: Die Europameister Ludwig Paischer (bis 60 kg) und Sabrina Filzmoser (bis 57 kg) sind Medaillenanwärter und haben aufgrund der starken Saison das Potenzial zum ganz großen Coup. Claudia Heill (bis 63 kg) will nach Olympiasilber in Athen 2004 wieder auf das Podest. Ihre Saison war ein wenig durchwachsen, doch der Endspurt war stark.

KANU: Das Erreichen des Finales sollte für Violetta Oblinger-Peters und Helmut Oblinger im Wildwasser-Slalom kein Problem darstellen, in diesem ist dann alles möglich. Die Strecke ist anspruchsvoll und der Favoritenkreis nicht zu klein. Im Flachwasser wäre eine Teilnahme am Endlauf für das Duo Yvonne Schuring/Viktoria Schwarz ein schöner Erfolg, eine Medaille scheint aber außer Reichweite.

LEICHTATHLETIK: Österreich hat keine Medaillenchance. Günther Weidlinger (10.000 m) und Eva Maria Gradwohl (Marathon) sind im Finale mit dabei, da sie natürlich keine Vorläufe haben. Diskuswerfer Gerhard Mayer hat das Potenzial, die Qualifikation zu überstehen. Weidlinger war bei Sommerspielen bereits über 3.000 m Hindernis (8. Sydney) und 5.000 m (20. Athen) am Start, das Ergebnis von 2000 wird kaum zu toppen sein.

PFERDESPORT: Im Gegensatz zu Athen hat Österreich diesmal sowohl in Vielseitigkeit (Harald Ambros) als auch in Dressur (Victoria Max-Theurer) nur Einzelreiter am Start. Für Max-Theurer und Falcao ist nach eigenen Aussagen das Erreichen der finalen Kür und damit der besten 15 lediglich ein Wunschtraum, der Grand Prix-Spezial der Top 25 aber ein erreichbares Ziel. Ambros reitet in der Vielseitigkeit mit Quick durchaus um eine bessere Platzierung (Top 15), eine Medaille ist aber ebenfalls nicht drin.

RADSPORT: Christiane Soeder ist in der Form ihres Lebens, deshalb darf man die gebürtige Deutsche im Zeitfahren zumindest im erweiterten Kreis der Medaillen-Anwärterinnen nennen. Im Straßenrennen rechnet sie sich ebenso wenig aus wie Monika Schachl. Für Christian Pfannberger und Thomas Rohregger spricht, dass den beiden Bergspezialisten die 245 Kilometer lange Olympia-Strecke mit den mörderischen, weil bergigen Schlussrunden extrem entgegenkommt. Zu zweit werden sich die beiden aber gegen die großen Teams schwertun. Im Mountainbike-Cross-Country sind Christoph Soukup und Elisabeth Osl ohne Medaillen-Hoffnung.

SCHIESSEN: Alle vier Jahre rücken Österreichs Schützen ins Visier der Öffentlichkeit, weil sie bei Olympia stets seriöse Medaillenanwärter sind. Seit Hubert Hammerer 1960 in Rom haben die zielsicheren ÖSB-Schützen bei Olympia acht Medaillen (1 Gold/2 Silber/5 Bronze) gewonnen, zuletzt holte Christian Planer vor vier Jahren Bronze. Der Tiroler startet in Peking im KK-liegend und Luftgewehr, Mario Knögler im KK-3 und liegend und Routinier Thomas Farnik im KK-3 und Luftgewehr. Bei sechs Chancen ist das befreundete Trio für zumindest eine weitere Medaille gut.

SCHWIMMEN: Markus Rogan ist die vielleicht größte Medaillen-Hoffnung im ÖOC-Team, der zweifache "Silberne" von Athen 2004 darf über 200 m Rücken auch ein wenig mit Gold liebäugeln. Mirna Jukic hat sich rechtzeitig soweit gesteigert, dass über 200 m Brust auch sie auf das Podest schwimmen kann. Ihr Bruder Dinko Jukic hat über 200 m Delfin und 200 m Lagen absolute Finalchancen, wobei die Sensation des Gewinns einer Bronzemedaille zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen ist. Ansonsten ist auf die 4x200-m-Kraul-Staffel mit dem starken "Ersatzmann" Florian Janistyn zu achten, die Finalchancen sind nach den jüngst gezeigten Einzelleistungen intakt. Im Bereich Semifinale mit kleinen Hoffnungen auf die Endlauf-Teilnahme bewegen sich Jördis Steinegger und Sebastian Stoss. Semifinal-Perspektiven haben Birgit Koschischek, Dominik Koll und mit Abstrichen Hunor Mate sowie Nina Dittrich. Auch David Brandl sind die Top 16 zuzutrauen. Bei Maxim Podoprigora bleibt abzuwarten, für ganz oben wird es aber nicht reichen.

SYNCHRONSCHWIMMEN: Lisbeth Mahn/Nadine Brandl haben die Duett-Qualifikation gerade noch geschafft. Für sie wäre im Feld der 24 Paare ein 20. Platz ein schöner Erfolg.

WASSERSPRINGEN: Anja Richter ist zum vierten Mal bei Spielen dabei und glänzte zuletzt vom Turm mit starken Leistungen. Routine und Nervenstärke sind ihre größten Trümpfe. Die Form für den Final-Einzug hat sie, sie ist hinter den überragenden Chinesinnen eine von vielen Bronze-Kandidatinnen. Constantin Blaha und Veronika Kratochwil sind bei ihrem Olympia-Debüt für das 3-m-Semifinale gut.

SEGELN: Der prognostizierte Durchzug zweier Taifune könnte die Ausgangspositionen verändern, die Leichtwind-Spezialisten Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Tornado) wollen sich aber nicht vom Kurs drittes Olympia-Gold abbringen lassen. Die Teilnahme am Medal Race ist für Nico Delle-Karth/Niko Resch (49er), Hans Spitzauer/Christian Nehammer (Star), Andreas Geritzer (Laser) und Sylvia Vogl/Carolina Flatscher (470er) praktisch Pflicht, Matthias Schmid/Florian Reichstädter (470er) werden jedenfalls darum kämpfen. Für Hagara/Steinacher und Spitzauer ist es die letzte Teilnahme im Zeichen der fünf Ringe.

TENNIS: Ein fitter Julian Knowle könnte Jürgen Melzer durchaus zu einer Medaille im Doppel schleppen, die Aussichten sind nicht nur wegen der Rippenprobleme des Vorarlbergers aber nur geringfügig besser als für Melzer im Einzel. Erst nach vier harten Matches würde der auch bei Olympia von Joakim Nyström betreute Melzer um eine Medaille kämpfen. Gleiches gilt für Sybille Bammer, die nach der Nichtnominierung von Tamira Paszek einzige weibliche ÖTV-Vertreterin in Peking ist. Das erste Tennis-Edelmetall für Österreich wäre eine echte Sensation.

TISCHTENNIS: Im erstmals bei Olympia ausgetragenen Teambewerb wartet auf Österreichs Herren ein hartes Los mit China oder Deutschland in der Gruppe. Die Auslosung findet am Donnerstag statt. Möglich ist für das starke ÖTTV-Team alles, realistisch ist aber maximal Bronze. Die österreichische Damen-Mannschaft ist nicht so hoch einzuschätzen, die Top Acht könnten aber drinnen sein. Im Einzel ist Werner Schlager einer der europäischen Hoffnungen gegen die scheinbar übermächtige chinesische Tischtennis-Macht. Bei der WM 2003 hat er gezeigt, dass er auch Gold holen kann. Chen Weixing setzt auf seinen unangenehmen, kombinierten Defensiv-/Offensiv-Mix, wird aber wie Robert Gardos gegen die starke Konkurrenz stark zu kämpfen haben. Liu Jia hat bei den Damen große Hoffnungen, sie ist aus Peking gebürtig. Für eine Medaille müsste ihr aber ein wahrer Run gelingen. Bei Li Qiangbing ist auch das auszuschließen. Veronika Heine tritt nur mit der Mannschaft an.

TRIATHLON: Die mittlerweile 38-jährige Athen-Olympiasiegerin Kate Allen hat nach ihrem Radunfall zu großer Stärke zurückgefunden und ist mit einer guten Schwimmleistung wieder Medaillenanwärterin. Eva Dollinger sind durchaus die Top Ten zuzutrauen. Bei Tania Haiböck und vor allem Simon Agoston, dem einzige Vertreter im Herrenbewerb, wäre eine derartige Platzierung eher eine Überraschung.

TURNEN/RHYTHMISCHE GYMNASTIK: Caroline Weber hat sich einen Platz in den Top 15 als Traumziel vorgenommen, eine Medaille ist für die junge Vorarlbergerin außerhalb jeder Vorstellungskraft. Dafür hat die 29-fache Staatsmeisterin wegen des auf 24 reduzierten Teilnehmerfeldes die beste Olympia-Platzierung einer Österreicherin bereits sicher. (APA)

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    Mit rot-weiß-rotem Segel dem Olympia-Glück entgegen.

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