HVB trotzt der Finanzkrise

4. August 2008, 12:16
posten

Die bayrische Großbank, Tochter der italienischen UniCredit, macht wieder Gewinn Im 2. Quartal mit 476 Mio. Euro im Plus nach noch 282 Mio. Euro Verlust im Vorquartal

München - Die HypoVereinsbank (HVB) hat im zweiten Quartal so gut wie keine neuen Belastungen durch die Finanzkrise verkraften müssen und wieder schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich stand im Zeitraum April bis Juni 2008 ein Gewinn von 476 Mio. Euro, wie die Tochter des italienischen Finanzkonzerns UniCredit am Montag mitteilte. Im ersten Quartal war noch ein Verlust von 282 Mio. Euro angefallen.

Damit schlägt sich die Münchner Großbank in der weltweiten Krise wacker und kommt im Vergleich mit vielen Wettbewerbern in Europa und vor allem in den USA ohne größere Blessuren davon. Das Handelsergebnis betrug im zweiten Quartal 318 Mio. Euro. Hier hatte es zu Jahresbeginn noch ein Minus von 647 Mio. Euro gegeben. Bei der HVB wird derzeit das Investmentbanking der UniCredit-Gruppe gebündelt.

Schlechter Juni

"Nach Erholungstendenzen im April und Mai dieses Jahres sind keine weiteren wesentlichen Belastungen aus der Finanzmarktkrise aufgetreten", sagte HVB-Chef Wolfgang Sprißler. Die Entwicklung im Gesamtjahr sei weiter schwer zu prognostizieren und hänge maßgeblich an den Kapitalmärkten. Der Juni sei schon wieder schlechter gewesen.

Im zweiten Quartal verrechnete die HVB wegen der Turbulenzen Lasten von 40 Mio. Euro mit dem Eigenkapital. Insgesamt summieren sich die Lasten seit Ausbruch der Krise Mitte 2007 auf gut eine Milliarde Euro. Spuren davon sind deutlich in der Bilanz des ersten Halbjahres ablesbar: So brach der Gewinn vor Steuern in den ersten sechs Monaten um 82 Prozent auf 366 Mio. Euro ein. Während das Investmentbanking rote Zahlen schrieb, glichen die Bereiche Firmen- und Immobilienkunden, Privatkunden sowie die Vermögensverwaltung dies mehr als aus.

Bei der HVB bündelt die Mailänder Großbank derzeit ihre Investmentbank-Aktivitäten. Zum Jahreswechsel gibt Sprißler den HVB-Chef-Posten an Theodor Weimer ab, der bisher den Bereich Investmentbanking der Gruppe verantwortet. "Mittelfristig haben wir uns im Rahmen der Drei-Jahres-Planung ehrgeizige Ziele gesetzt und sind zuversichtlich, dass wir diese mit Blick auf die gute Positionierung unserer Divisionen in Deutschland auch erreichen werden", erklärte Sprißler, nannte aber zunächst keine konkreten Prognosen.

Stellenabbau

Den geplanten Stellenabbau verteidigte der scheidende HVB-Chef am Montag: "Selbstverständlich müssen wir dort reagieren, wo wir einfach eine verbesserte Kosten- und Kapitaleffizienz erreichen müssen", sagte Sprißler am Montag in München. Daher komme die UniCredit-Tochter um einen Abbau von Arbeitsplätzen nicht herum. Dieser solle aber "so sozialverträglich wie möglich" umgesetzt werden.

Die italienische Konzernmutter UniCredit, zu der auch die Bank Austria gehört, hatte Ende Juni angekündigt, im Zuge ihrer Konzentration auf Osteuropa rund 9.000 Stellen in Italien, Deutschland und Österreich streichen zu wollen. Bei der HVB stünden dabei voraussichtlich rund 2.000 bis 2.500 Arbeitsplätze zur Disposition, sagte Sprißler am Montag. Die meisten Stellen sollten in Italien wegfallen. Derzeit werde noch analysiert, welche Bereiche in welchem Umfang von den Einschnitten betroffen sein werden. Im Herbst seien dann nähere Informationen zu erwarten, sagte Sprißler. (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Keine Belastungen wegen der Finanzkrise musste die HVB im zweiten Quartal hinnehmen, der Ausblick auf das Gesamtjahr ist dennoch schwierig.

Share if you care.