Reaktionen - Gorbatschow, Putin, Sarkozy

4. August 2008, 11:42
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Gorbatschow: "Wir schulden ihm viel" - Putin: "Großer Verlust für ganz Russland" - Sarkozy: "Verkörperung der oppositionellen Bewegung der Sowjetunion"

Moskau - Der Tod des russischen Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn hat in seiner Heimat sowie international große Betroffenheit und tiefe Trauer ausgelöst. Der frühere Dissident werde in die Geschichte eingehen als einer der ersten, die die Brutalität und Unmenschlichkeit des Stalin-Regimes öffentlich und rigoros angeprangert haben, sagte der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow am Montag. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach am Montag seine Anteilnahme aus.

Michail Gorbatschow

Der Beitrag Solschenizyns zum Sturz des Totalitarismus' sei "nicht hoch genug zu schätzen", sagte Gorbatschow nach Angaben der Agentur Interfax. "Er hat bis zum Ende seines Lebens dafür gekämpft, dass Russland seine totalitäre Vergangenheit hinter sich lässt, eine würdige Zukunft hat und zu einem freien und demokratischen Land wird. Wir schulden ihm viel", sagte Gorbatschow.

Wladimir Putin

Für Regierungschef Wladimir Putin ist der Tod Solschenizyns ein "großer Verlust für ganz Russland. Wir sind stolz, ihn als Landsmann und Zeitgenossen gehabt zu haben". Man werde sich an ihn als "eine starke, mutige Persönlichkeit mit großer Würde" erinnern, so Putin, der den Schriftsteller für sein Engagement zugunsten der "Ideale der Freiheit, Gerechtigkeit und des Humanismus" würdigte. Der russische Präsident Dmitri Medwedew sprach der Familie des weltweit geschätzten Schriftstellers sein Beileid aus

Arseni Roginski

Der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Memorial, Arseni Roginski, würdigte den Regimekritiker als Gründer der Bewegung für die Aufarbeitung der Stalin-Verbrechen in Russland. Ohne die Werke des weltweit geschätzten Schriftstellers sei eine Rehabilitierung der Opfer heute nicht möglich. "Er hatte nie Angst davor, mit seinem Kampf und seiner Meinung alleine dazustehen", sagte Roginski. Dagegen kritisierte Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, dass die Arbeiten des Autors nicht immer objektiv gewesen seien.

Nicolas Sarkozy

Auch der derzeitige EU-Ratsvorsitzende, der französische Präsident Nicolas Sarkozy, nahm in einer Aussendung zu Solschenizyns Tod Stellung. Er sei es gewesen, der der Welt die Augen für den sowjetischen Terror geöffnet habe. Sarkozy sieht in ihm "die Verkörperung der oppositionellen Bewegung der Sowjetunion", da er "zeitlebens für seine Ideale unbeugsam einstand". All das mache ihn zu einem "Erben Dostojewskis, der einen Platz unter den Großen der Weltliteratur verdient hat". (APA/dpa)

 

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