"Vista war nie das Problem, es sind die AnwenderInnen"

4. August 2008, 11:21
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"Mojave Experiment" nun im Zentrum der Kritik - Kampagne erinnert an Cafe Hag-Werbespot und soll zeigen, wie toll Vista ist

Der Softwarekonzern Microsoft versucht mit einer Millionen-Dollar-Werbekampagne, dem so genannten The "Mojave Experiment", der WebStandard berichtete, zu beweisen, dass Windows Vista gar nicht so schlecht ist, wie sein Ruf. Die Werbelinie, die an die Cafe Hag-Spots der 80er Jahre erinnert, in denen "ahnungslosen" Prominenten in der Blindverkostung ein entkoffenierter Cafe Hag vorgesetzt wurde, und diese dann aus dem Loben gar nicht mehr hinauskamen, scheint nun ihre IT-Umsetzung gefunden zu haben.

Nicht Vista, die KundInnen sind das Problem

Diese neue Werbelinie steht nun im Zentrum der Kritik zahlreicher BloggerInnen. "Man verkaufe die KundInnen für dumm" oder "Nun tut Microsoft so, als wäre Vista nie problematisch gewesen, sondern nur die AnwenderInnen" sind dabei häufig getätigte Aussagen.

"Vista, wow das hätte ich nicht gedacht"

Die Spots, in denen AnwenderInnen ein "neues Betriebssystem namens Mojave" testen, wahrlich begeistert sind und am Ende dann Sätze sagen, wie: "Das ist Vista, wow das hätte ich nicht gedacht", ist vielen Vista-KritikerInnen und IT-SpezialistInnen zu billig.

Die Probleme nicht sehen wollen

In vielen Blogs - etwa Colin Campbell-Blog oder auch im Artikel bei Webmonkey: "Blind Taste Test Shows XP Users Love Vista" wird Microsofts Werbelinie heftig kritisiert. So würde man einen kurzen 10-Minuten-Test als ausreichend für den Test eines ganzen Betriebssystems wohl kaum ernstnehmen können. Auch wird heftig diskutiert, dass die Schwachstellen von Vista, etwa das Installieren neuer Geräte oder Treiber, ja nicht getestet oder gezeigt wurde, sondern nur die "schönen Oberflächen ohne Tiefgang".

Kein Kommentar

Gegenüber der New York Times wollte Microsoft keinen Kommentar zur Kritik abgeben, dafür aber die zuständige PR-Firma. "All die Beschwerden beruhen auf einer Missinterpretation der Mojave-Aussage", so Ben Carlson von der Brandingfirma Bradley and Montgomery. "Es geht nicht darum zu sagen, dass Vista perfekt ist, oder die Menschen nun auf einmal in Vista verliebt sind, wir wollen zeigen, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen dem was die Menschen über Vista gehört haben und der Realität." Eine 10-Minuten-Demo wäre "eine faire repräsentative Form für die Darstellung eines Betriebessystems", meint Carlson. "Viele Menschen haben sich beschwert und sehen den Zusammenhang noch nicht klar. Aber das Experiment geht weiter", so Carlson gegenüber der New York Times. Ob dies als Drohung verstanden werden sollte, kann man nicht aus dem Artikel herauslesen. Aber zu kopierende Werbelinien gebe es zu Hauf: Etwa der gute alte Volvo-Spot wo das Auto über das Dach eines Wolkenkratzers hinaus fährt. Vielleicht sollte man einmal ein paar PCs aus dem Fenster werfen und zu demonstrieren, dass das Betriebssystem weiter läuft - egal was passiert.(red)

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    Die Werbung erinnert an Cafe Hag. Zahlreicher BloggerInnen ziehen wegen dem "Mojave Project" mit Microsoft nun hart ins Gericht.

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