Individuen, Systeme und Hierarchien

4. August 2008, 10:38
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Die psychotherapeutische Schule der Systemischen Therapie vereinigt eine ganze Reihe von Ansätzen

Allen gemeinsam ist, dass Probleme nicht im Lichte eines linearen Ursachen-Wirkungs-Prinzip gesehen werden, sondern im Zusammenhang mit dem System, in dem der Einzelne lebt.

Wichtige Beiträge zur Systemischen Therapie kamen seit Ende der 1950er-Jahre von Psychiatern und Psychologen des Mental Research Institute (MRI) im kalifornischen Palo Alto. Inspiriert vom Anthropologen und Kybernetiker Gregory Bateson forschten sie ursprünglich zu Schizophrenie, später zu Kommunikation, Psycho- und Familientherapie.

Die Palo-Alto-Gruppe betrachtete Individuen erstmals nicht mehr isoliert, sondern in ihrer Interaktion mit ihrer Umwelt. Einer ihrer berühmtesten Mitglieder war Paul Watzlawick (siehe Bild).

Ebenfalls zu dieser Gruppe gehörte die Familientherapeutin Virginia Satir. Sie sah im Selbstwert einer Person den Schlüssel aller Phänomene unseres geistigen und sozialen Lebens. Wer gelernt hat, sich selbst wertzuschätzen, könne klar kommunizieren und seine Bedürfnisse formulieren. Viele ihrer Ideen wurden von der Neurolinguistische Programmierung (NLP) aufgenommen, worüber sie selbst nicht besonders glücklich war.

Die strukturelle Familientherapie, wie sie von Salvador Minuchin entwickelt wurde, war vor allem in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren berühmt. Minuchin, der Anfang der 80er-Jahre in New York ein Ausbildungsinstitut für Familientherapie gründete, legte besonderes Gewicht auf die Ordnung innerhalb eines Familiensystems. Sein Modell geht u. a. davon aus, dass Familien gut funktionieren, wenn die Hierarchien intakt sind - also die Eltern und nicht etwa die Kinder bestimmen.

In Italien leistete die Mailänder Gruppe um die Kinderanalytikerin Mara Selvini Palazzoli in den 70er-Jahren Pionierarbeit in der Systemischen Familientherapie. Bekannt wurde ihre Methodik, bei der Co-Therapeuten das Gespräch zwischen Therapeut und Klient beobachten und auch eingreifen können. In Deutschland trug vor allem der Psychiater und Psychoanalytiker Helm Stierlin mit der 1974 gegründeten Heidelberger Familientherapie zur Verbreitung der Systemischen Therapie bei. (auk)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Paul Watzlawick

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