Wer nicht lesen will, muss hören

3. August 2008, 20:03
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Burgenlands Rechnungshof bereitet seine Prüfberichte mutimedial auf

Eisenstadt - Jeder Text - welcher Journalist würde das nicht aus schmerzvoller Erfahrung kennen? - braucht willige, geschulte Leser. Und Rechnungshofberichte sind ja auch nur Texte.

Selbst bekennende Alphabeten scheitern oft an solchen, weil sie den Fehler begehen, am Anfang beginnen und am Ende aufhören zu wollen. Weil das aber nicht geht, stellt sich allmählich jene Art von Widerwillen ein, die sich bald zur Verweigerung verdichtet.

Darunter litt Franz Katzmann. Seit 2002 ist er Präsident des Burgenländischen Landesrechnungshofes. Und als solcher fiel ihm ein ums andere Mal auf, dass seine Prüfberichte dort, wo sie hingehören - in die Köpfe der Landtagsabgeordneten -, zumeist sofort in der Ablage verschwinden, dem Vorhof zum Papierkorb.

Seit kurzem ist das anders. Da stellt Katzmann seine Berichte multimedial ins Internet, in einer Art Power-Point-Präsentation, in der die wesentlichen Punkte des jeweiligen Berichts (aktuell: Abwicklung von Ziel-1-Förderungen) komprimiert dargestellt werden.

Der Rechnungshofpräsident ist diplomatisch genug, die Leseschwäche seiner Adressaten der "zeitlichen Beanspruchung der Abgeordneten" zuzuschreiben. Nunmehr könne aber jeder Abgeordnete rasch und einfach Einblick ins jeweils Wichtige nehmen.

Katzmann kämpft allerdings auch an anderer Front, nämlich gegen die Vereinnahmung des Rechnungshofes durch die Landesverwaltung. Engagiert wehrte er sich gegen eine Übersiedlung ins Landhaus, "in den Schoß der Exekutive". Und auch die von ihm vehement geforderte Personalaufstockung wird kommen. Am 20. August gibt es erste diesbezügliche Verhandlungen. Seine Sekundanten hat er schon nominiert: Franz Fiedler und Ludwig Adamovich. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2008)

 

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