"Nicht die Zeit, Bedingungen zu stellen"

3. August 2008, 18:11
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Wirtschaftsminister Martin Bartenstein würde eine Sperrminorität bei der AUA zwar bevorzugen. Sollte ein Verkauf aber nur bei Abgabe sämtlicher Staatsanteile möglich sein, müsse man auch das in Betracht ziehen

Wien - Diese Woche fällt eine Vorentscheidung, was den Verkauf der AUA betrifft. Am Dienstag soll bei einem Gipfeltreffen im Bundeskanzleramt der Privatisierungsauftrag formuliert werden. Mit dabei: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer, der designierte SPÖ-Chef Werner Faymann und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis. Die ÖIAG hält für die Republik 42,7 Prozent der AUA-Aktien. Am 12. August soll das Procedere im Ministerrat abgesegnet werden.
Im Vorfeld des Gipfeltreffens findet Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (VP) klare Worte.

"Angesichts der internationalen Luftfahrtkrise ist jetzt nicht die Zeit, Bedingungen für den Verkauf der AUA zu stellen. Auch mir wäre eine Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie; Anm.) lieber. Aber wenn es nicht anders geht, soll man auch einen Totalrückzug des Staates nicht ausschließen" , sagte Bartenstein im Gespräch mit dem STANDARD.

Bartenstein kontert damit auf Aussagen des designierten SPÖ-Chefs Werner Faymann, der sich für das Halten einer Sperrminoriät des Staates an der AUA stark macht. Faymann befürchtet bei einem Totalrückzug des Staates, dass der Flughafen Wien als Drehscheibe Richtung Ost- und Südosteuropa leiden wird. In der Folge könnten auch Zentralen internationaler Unternehmen, die sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Wien angesiedelt haben, abgezogen werden.

"Naheliegendster Partner"

Die Lufthansa, die vom Österreicher Wolfgang Mayrhuber gelenkt wird, gilt spätestens seit Vorliegen einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Boston Consulting im Auftrag der Staatsholding ÖIAG als "idealer Partner" für die AUA. Das Papier ist die Basis für die Beratungen am Dienstag.
Die Lufthansa hat wiederholt zu Erkennen gegeben, dass sie nur an 100 Prozent der AUA interessiert ist und den Staat als Aktionär nicht dabei haben möchte.

"Es geht um die Zukunftssicherung der AUA und um 8000 Arbeitsplätze," sagte Bartenstein. Vielleicht könne man das Management der Lufthansa, "der im doppelten Wortsinn naheliegendste Partner" , davon überzeugen, dass ein Österreich-Konsortium als Minderheitspartner bei der AUA durchaus von Vorteil sein könne. Man sollte aber keinen Justamentstandpunkt einnehmen und von vornherein sagen: Entweder ihr akzeptiert eine Sperrminorität oder ihr bekommt nichts. Damit würde man sich zu viel verbauen.

Die Zeit läuft ab

Auch ÖIAG-Vorstand Michaelis hat sich in der Vorwoche für größtmögliche Flexibilität in den Verhandlungen mit potenziellen Partnern stark gemacht. Neben der Lufthansa hat Boston Consulting auch das Konsortium Air France-KLM, Turkish Airlines und Aeroflot eingehender analysiert; die russische Airline hat aber schon in der Vorwoche abgewinkt. Interesse an der AUA wird auch Air China nachgesagt.

Luftfahrtexperten verweisen darauf, dass die Zeit für die AUA verrinnt. Selbst gut aufgestellte Airlines gerieten aufgrund der hohen Kerosinpreise zunehmend in Bedrängnis und müssten auf ihre Bilanzen achten. Das alles mache den Verkauf der AUA nicht leichter.  (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.8.2008)

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    Wirtschaftsminister Martin Bartenstein: "Es geht um die Zukunftssicherung der AUA und um 8000 Arbeitsplätze."

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