"Das Gen sitzt ein Leben lang im Körper"

3. August 2008, 19:04
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Für Josef Penninger, einen der weltweit führenden Genetiker, wird Peking noch gendopingfrei ablaufen. Weniger ob des hohen Risikos, wie er im STANDARD-Interview erzählte

Standard: Peking erlebt die ersten gengedopten olympischen Sportler. Viele glauben das - Sie auch?

Penninger: Im Gegenteil. Ich würde darauf wetten, dass Gendoping noch kein Thema ist. Es wird wohl viel Panikmache betrieben. Aus meiner Sicht ist es praktisch unvorstellbar, dass für Peking schon Gendoping betrieben wurde.

Standard: Was macht Sie so sicher?

Penninger: Die Forschung in diesem Bereich steckt in den Kinderschuhen. Da hat man sich für die Heilung von Krankheiten viel erhofft. Mittlerweile sind große Firmen aus der Forschung wieder ausgestiegen. Weil ein manipuliertes Gen auch in andere Gene eindringen und Schaden anrichten kann. In einer Studie in Frankreich wurde ein manipuliertes Gen beschrieben, das Krebs auslösen kann.

Standard: Mit Gendoping ginge ein Sportler ein weit höheres Risiko ein als mit bekannten Methoden?

Penninger: Mit Sicherheit wäre das so, auch künftig. Wobei Risiko allein vielleicht nicht alle abschreckt. Dazu kommt aber, dass Gendoping derzeit unintelligent, weil leicht nachweisbar wäre.

Standard: Wieso das?

Penninger: Zum Beispiel ließe sich eine Epo-Variante genetisch ins Knochenmark bringen. Aber das Gen würde auffallen, weil Normalzellen diese Genvariante nicht hätten. Und man kann nicht alle Zellen manipulieren. Gendoping wäre ewig nachweisbar. Das Gen sitzt ja ein Leben lang im Körper. Da wäre es viel klüger, ein Sportler, der dopen will, schießt sich ein Protein. Wenn es so aussieht wie das körpereigene und eine kurze Halbwertszeit hat, fällt es nach zwei, drei Stunden kaum noch auf.

Standard: Eine ARD-Doku setzte Stammzellentherapie fast mit Gendoping gleich. Ist da etwas dran?

Penninger: Eher weniger. Natürlich kann man mit Stammzellen das Knochenmark therapieren. Theoretisch könnte man da genetisch etwas manipulieren. Aber um Zellen zu transplantieren, muss man einen Patienten bestrahlen. Und der sollte dann schon wirklich krank sein, schließlich ist dieser Prozess sehr riskant. Muskelstammzellen zu erneuern funktioniert noch nicht wirklich.

Standard: Wäre es nicht sehr aufwändig und teuer, ein manipuliertes Gen nachzuweisen?

Penninger: Weder noch. Man muss halt wissen, wonach man sucht. Im Prinzip reicht ein einziger Tropfen Blut zum Nachweis, und den Test kriegt jedes drittklassige Labor hin.

Standard: Der Reiz für manchen Sportler ist natürlich groß, wenn er liest, dass Forscher die Ausdauer von Mäusen quasi mit Gendoping um vierzig Prozent steigern.

Penninger: Bei Mäusen klappt das nicht nur bei der Ausdauer, sondern auch mit Muskelmasse. Aber Mäuse lassen sich ja zur Gänze genetisch ändern, das ist nie eins zu eins auf Menschen umlegbar. (Mit Josef Penninger sprach Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 4.8. 2008)

Zur Person:
Josef Penninger (43), Genetiker aus Gurten/Innkreis. Forschte 13 Jahre lang in Kanada. Seit 2003 wissenschaftlicher Direktor am IMBA(Institut für Molekulare Biotechnologie der Österr. Akademie der Wissenschaften) in Wien.

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