US-Bankenkrise und kein Ende

4. August 2008, 09:56
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Mit der First Priority Bank ging bereits die achte Bank pleite - Ökonom Roubini: Steuerzahler dürften mit ein bis zwei Billionen Dollar zur Kasse gebeten werden

Die Kredit- und Hypothekenkrise hat in den USA die seit Jahresbeginn achte Bank in den Ruin getrieben. Am Freitag wurde die First Priority Bank mit Sitz im Bundesstaat Florida von den US-Behörden geschlossen und an den Konkurrenten SunTrust Banks notverkauft. Die eher kleine Bank (Bilanzsumme 258 Millionen Dollar, Einlagen in Höhe von 227 Millionen Dollar) war in Kapitalnöte geraten, weil viele Hausbauer im von der Immobilienkrise besonders stark betroffenen Florida ihre Kredite nicht zurückbezahlen konnten.

Der staatliche Einlagensicherungsfonds der US-Banken (FDIC), der die Bank am Freitag geschlossen hatte, bezifferte seine Kosten wegen der Pleite auf 72 Millionen Dollar. SunTrust Banks wird die versicherten Konten sowie die sechs Filialen der First Priority Bank übernehmen. Am Wochenende konnten Kunden über Bankautomaten sowie Karten- und Scheckzahlung über ihr Erspartes verfügen.

Branchenkenner rechnen mit weiteren Pleiten

Die First Priority Bank ist bereits die achte Pleite einer US-Bank im Rahmen der seit gut einem Jahr anhaltenden Kreditkrise. Der folgenschwerste Zusammenbruch war die Insolvenz des größten unabhängigen börsennotierten US-Baufinanzierers IndyMac. Er war vor drei Wochen vom Staat übernommen worden, nachdem das Institut in massive Kapitalnöte geraten war.

Weitere Pleiten gelten als wahrscheinlich: Rund 90 Banken standen Ende des ersten Quartals auf einer Beobachtungs-Liste des FDIC, in der Institute in kritischer Lage aufgeführt sind.

Steuerzahler werden zur Kasse gebeten

Nach Ansicht des einflussreichen Wirtschaftsexperten Nouriel Roubini dürften in den USA aufgrund der Rezession mittelfristig noch Hunderte von Banken pleite gehen. Zur Rettung der angeschlagenen Finanzdienstleistungsbranche dürften die Steuerzahler mit mindestens einer Billion Dollar (642 Mrd. Euro) zur Kasse gebeten werden, sagte der New Yorker Universitätsprofessor und Ökonom dem US-Finanzblatt "Barron's" (Sonntag-Ausgabe). Eher könnten es aber zwei Bill. Dollar werden.

Die Banken hätten im Zuge der Hypothekenkrise bisher nur ihre Subprime-Kredite abgeschrieben. Vor ihnen lägen aber noch Verluste aus dem Konsumentenkreditgeschäft, für die sie keine Reserven hätten, so Roubini.

Die Versuche der US-Notenbank, die Krise zu bewältigen, seinen bisher schwach gewesen, fügte der Experte hinzu. Die Zentralbank habe die Probleme noch nicht richtig erkannt. Die USA befänden sich in der zweiten Phase einer Rezession, die mindestens 18 Monate dauern werde. (APA/Reuters)

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    Spitze eines Eisbergs: Bereits acht US-Banken gingen heuer pleite, noch Hunderte könnten folgen, erwarten Experten.

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