US-Historiker: "Holbrooke ist nicht blöd. Es gibt nichts Schriftliches"

7. August 2008, 16:29
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Charles Ingrao zitiert "Quellen aus dem State Department - Ex-Außenminister Buha bestätigt Deal zwischen Karadžic und Holbrooke

Belgrad - Der US-Historiker Charles Ingrao, Leiter einer Dokumentationsgruppe zum Balkankrieg, gibt an, über konkrete Beweise für den Deal zwischen Richard Holbrooke und Radogan Karadžic zu verfügen. Über Vermittler habe der ehemaligen US-Unterhändler in Bosnien-Herzegowina Karadžic das unmoralische Angebot gemacht. Sollte er sich aus der Politik vollkommen zurückziehen, würde er nicht strafrechtlich verfolgt werden. Schriftliche Vereinbarung gebe es allerdings keine. "Holbrooke ist nicht blöd. Es gibt nichts Schriftliches," wird Ingrao zitiert.

Seine unabhängigen Quellen kämen direkt aus dem US-State Department, sagt Charles Ingrao. Offizielle Statements aus dem Department weisen konsequent jegliche Berichte zurück, es habe  keine Vereinbarung gegeben.

Der frühere bosnisch-serbische Außenminister Aleksa Buha hatte bereits am vergangenen Wochenende dem Sender Radio Belgrad am Samstag bestätigt, der US-Unterhändler in Bosnien-Herzegowina, Richard Holbrooke, habe seinerzeit ihm gegenüber eine Abmachung bestätigt, wonach der der ehemalige bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadžic nicht vor das Kriegsverbrechertribunal komme, wenn er sich nicht politisch betätige.

Dieses Versprechen habe Holbrooke während eines Treffens in Belgrad in der Nacht zum 19. Juli 1996 abgegeben, an dem auch der damalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic, der damalige jugoslawische Außenminister Milan Milutinovic und der frühere bosnisch-serbische Parlamentspräsident Momcilo Krajisnik teilgenommen hätten. Krajisnik war während der Friedensverhandlungen in Dayton in den USA der ranghöchste Vertreter der bosnischen Serben. Holbrooke war an den Abkommen von Dayton, die den Bosnien-Krieg 1995 beendeten, maßgeblich beteiligt.

Karadžic bis 2000 unter US-Schutz

Laut einem Bericht der serbischen Zeitung "Blic" soll Karadžic bis zum Jahr 2000 unter dem Schutz der USA gestanden haben. Dann habe ihn der US-Geheimdienst CIA dabei ertappt, wie er die als Voraussetzung für diesen Schutz geltenden Vereinbarungen gebrochen habe. Die CIA habe ein Telefongespräch abgehört, aus dem klar hervorgegangen sei, dass Karadzic weiterhin seine Serbische Demokratische Partei (SDS) geleitet habe. (APA)

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