Nachlese: Elf Tote am K2

4. August 2008, 14:58
122 Postings

Zwei niederländische Bergsteiger konnten mit schweren Erfrierungen geborgen werden - Kritik an Alpinisten: "Wie der Marsch der Lemminge"

Islamabad - Das bisher schwerste Unglück am zweithöchsten Berg der Erde, dem 8.611 Meter hohen K2 im Himalaya, hat elf Alpinisten das Leben gekostet. Bein den Toten handelt es sich laut Angaben aus Pakistan um drei Koreaner, zwei Pakistaner, zwei Nepalesen sowie je einen Bergsteiger aus Norwegen, Frankreich, Serbien und Irland. Am Montag in der Früh wurden zwei Niederländer mit schweren Erfrierungen von einem Hubschrauber geborgen. Ein Italiener befand sich noch auf dem Weg ins das Höhenlager 1. Er klagte laut dem italienischen Internetdienst montagna.tv über Schmerzen in den Beinen.

Der steirische Extrembergsteiger Christian Stangl berichtete am Montag hingegen vom Tod von zwölf Bergsteigern. Er und sein Landsmann Thomas Strausz befanden sich im Basislager und wollen morgen, Dienstag, ihre Zelte abbrechen. Stangl hätte ursprünglich innerhalb eines einzigen Tages den Gipfel erreichen wollen. Er und Strausz befanden sich unterhalb des sogenannten Bottleneck, einer Engstelle, in der ein Eisblock wegbrach, die Sicherungsseile wegriss und den Bergsteigern den Weg abschnitt.

"Ruhmsucht und übertriebener Ehrgeiz"

Der Präsident der pakistanischen Bergsteigervereinigung, Nazir Sabir, sagte, das Unglück hätte verhindert werden können, wenn die Alpinisten nicht so spät aufgestiegen wären. "Es ist sonderbar, wirklich sonderbar, dass sie da so spät am Nachmittag waren." Der Schwede Fredrik Sträng (31) sprach von "Ruhmsucht und übertriebenem Ehrgeiz". Sträng hatte seinen eigenen Aufstieg am K2 mit einem weiteren Alpinisten vor der Unfallserie abgebrochen und bei der Bergung von Verletzten und Toten geholfen. "Das war wie der Marsch der Lemminge. Man glaubte ganz einfach, dass der an der Spitze schon wissen würde, was er tut", sagte Stäng.

Den Alpinisten hatte eine Eislawine auf 8.200 Metern Höhe am Freitag den Rückweg abgeschnitten. Mehrere von ihnen wurden dann am Samstagvormittag von einer mächtigen zweiten Lawine mitgerissen, während sie nach Möglichkeiten für den Abstieg suchten. Mindestens zwei weitere Bergsteiger waren bereits kurz zuvor abgestürzt. Bei den getöteten Nepalesen und Pakistanern handelt es sich laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa um Träger. Zwei von ihnen seien ums Leben gekommen, als sie versuchten, ihren unterhalb des Gipfels festsitzenden Kunden zu helfen. Sie seien zusammen mit ihnen abgestürzt.

Dramen im Extrembergsport

Vor knapp zwei Wochen waren am Nanga Parbat zwei italienische Bergsteiger gerettet worden. Ein weiterer Alpinist, der Südtiroler Karl Unterkircher, war beim Aufstieg in eine Gletscherspalte gestürzt und ums Leben gekommen. Das jüngste Drama am K2 weckte auch Erinnerungen an die bekannteste Himalaya-Tragödie der vergangenen Jahrzehnte. Im Mai 1996 waren am Mount Everest an einem einzigen Tag neun Bergsteiger verschiedener Kletterteams in einem Schneesturm ums Leben gekommen.

Seither stehen kommerzielle Expeditionen auf die Achttausender der Erde immer wieder in der Kritik. Die Unerfahrenheit der Alpinisten und die Unfähigkeit, sich auf neue Situationen oder einen plötzlichen Wetterumschwung einzustellen, tragen Experten zufolge zu derartigen Tragödien bei. Nach den Worten des Südtiroler Bergsteigers Reinhold Messner führt die Kommerzialisierung des Bergsteigens zu immer mehr Opfern. Viele Alpinisten wüssten gar nicht, wie sie in Schlechtwetterperioden oder ohne Sicherungsseile reagieren müssten. (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der K 2 im Karakorum-Gebirge ist der Schauplatz der jüngsten Bergsteiger-Tragödie.

Share if you care.