Griechischer Telefonkonzern verklagt Siemens

2. August 2008, 13:44
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Zeitung: OTE will in Korruptionsaffäre Schadenersatz kassieren

In der Siemens-Bestechungsaffäre hat nach einem Medienbericht erstmals ein internationaler Geschäftspartner Klage gegen den deutschen Konzern erhoben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Wochenendausgabe) berichtete, reichte der griechische Telefonkonzern OTE in dieser Woche beim Landgericht München Klage gegen Siemens ein. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaften in München und Athen hat Siemens jahrelang Manager und Mitarbeiter von OTE bestochen, um einen Großauftrag für den Ausbau des Telefonnetzes in Griechenland zu erhalten und zu hohe Preise abrechnen zu können. Laut der Zeitung vorliegenden Dokumenten von Siemens sollen mindestens 75 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein.

Bonuszahlungen

Siemens wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen dazu nicht äußern. Ein Vorstand der griechischen Landesgesellschaft von Siemens hatte schon 2006 bei einer internen Befragung erklärt, mit "Bonuszahlungen" für das OTE-Management habe eine günstige Abrechnungspraxis sichergestellt und "hohe Renditen" erzielt werden können.

Weitere Klagen möglich

Sollte OTE vor Gericht in München Schadenersatzforderungen durchsetzen, könnten weitere Klagen anderer Geschäftspartner von Siemens folgen. Das Industrieunternehmen soll weltweit geschmiert haben. Inzwischen ermitteln Behörden in fünf EU-Staaten sowie in Russland, Nigeria, Malaysia und Indonesien. Das Landgericht München hat bereits 2007 bei Siemens für Aufträge aus Libyen, Nigeria und Russland, die auf Korruption beruhten, nachträglich 200 Millionen Euro Gewinn abgeschöpft. Siemens habe sich bei diesen Aufträgen widerrechtlich bereichert, befand das Landgericht. Im ersten Prozess in der Schmiergeldaffäre, der diese Woche endete, warf das Landgericht Siemens vor, "Mondpreise" verlangt und so "ungeniert in fremde Kassen" gegriffen zu haben. (APA/AFP)

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