IOC entzog US-Staffel Olympia-Gold

2. August 2008, 11:27
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Medaille der 4x400 Meter-Staffel von Sydney wegen Dopings aberkannt - Noch keine Entscheidung, ob Nigerias Quartett nun auf Goldrang aufrückt

Peking - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat der 4x400-Meter-Staffel der USA die 2000 in Sydney gewonnene Goldmedaille wegen Dopings aberkannt. Dies teilte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Samstag nach einer Sitzung des IOC-Exekutivkomitees mit. Der frühere 400-m-Weltmeister Antonio Pettigrew hatte zugegeben, dass er ab 1997 zu unerlaubten Mitteln gegriffen hatte. Dem Gold-Quartett der USA gehörten neben Pettigrew die Brüder Alvin und Calvin Harrison sowie Weltrekordler Michael Johnson an.

"Wir unterstützen diese Entscheidung des IOC", sagte Darryl Seibel, Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC). Das Urteil war nur noch ein Formalakt, da Pettigrew bereits im Juni seine Medaille zurückgegeben hatte. Der US-Amerikaner hatte zuvor im Meineid-Prozess gegen seinen Ex-Trainer Trevor Graham die Einnahme des Blutdopingmittels EPO und Wachstumshormonen vor den Sydney-Spielen gestanden.

Das IOC aberkannte damit in den vergangenen neun Monaten den US-Leichtathleten insgesamt sechs der in Sydney gewonnenen Olympia-Medaillen, darunter vier goldene. Drei Gold- und zwei Bronze-Plaketten musste allein die US-Sprinterin Marion Jones zurückgeben, die als Folge des Skandals um das kalifornische Doping-Labor BALCO ebenfalls Doping-Vergehen gestanden hatte.

Noch nicht entschieden hat die IOC-Exekutive darüber, ob Nigerias 400-Meter-Staffel als zweitplatziertes Quartett von 2000 auf den Gold-Rang aufrückt. Jamaika war in Sydney Dritter und die Bahamas Vierter. "Das ist Teil der Aufklärungsarbeit des BALCO-Falles. Es ist eine sehr gründliche Arbeit", sagte Giselle Davies. Fraglich ist, ob die Disziplinarkommission unter dem Vorsitz des deutschen IOC-Vizepräsidenten Thomas Bach am Donnerstag schon einen Beschluss dazu fasst oder die Entscheidung erst auf der nächsten Exekutivsitzung im Dezember in Lausanne fällt.

Die Bach-Kommission muss dagegen der IOC-"Regierung" vorschlagen, ob die griechische Sprinterin Ekaterina Thanou in Peking starten darf und sie als Zweite des Sprint-Finales von Sydney nachträglich zur Olympiasiegerin erklärt wird. "Wir werden uns damit gründlich auseinandersetzen", erklärte Bach. "Wir wollen ihr ein faires Verfahren bieten und sie anhören." Thanou hatte die Qualifikations-Norm über 100 Meter erfüllt und ist von Griechenland für Peking gemeldet worden.

Im Jahr 2004 war sie für zwei Jahre gesperrt worden, weil sie sich unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Athen mit ihrem Landsmann Kostas Kenteris einem Doping-Test entzogen hatte. Die griechische Justiz kam zu dem Schluss, dass beide einen Motorradunfall am 12. August 2004 nur vorgetäuscht hatten, um ihre Abwesenheit bei der Kontrolle zu erklären. Zudem bestand der Verdacht, sie hätten sich wiederholt Tests im Olympia-Vorfeld entzogen. Nachdem sie ihre Olympia-Akkreditierungen zurückgegeben hatten, hatte das IOC kein Hoheitsrecht mehr über den Fall. (APA/dpa)

 

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