Lenovos olympische Spendierhosen

2. August 2008, 11:28
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Der chinesische Computerbauer nutzt die Olympischen Spiele als die größte Werbefläche, die er jemals hatte - Sponsorenleistung wird auf 70 Millionen Dollar geschätzt

Die größte chinesische Computerfirma, Lenovo, die nach HP, Dell und Acer weltweit auf Platz vier der PC-Verkäufer aufgerückt ist, sieht sich für ihr Engagement als Olympia-Partner des IOC und Sponsor der Pekinger Olympischen Spiele belohnt. Die Marke ist international bekannter geworden und das weltweite Geschäft, das die Gruppe zu 60 Prozent schon mit dem Ausland macht, weitet sich aus, sagte Vorstandschef Yang Yuanqing.

Hauptausrüster

Lenovo ist technologischer Hauptausrüster der Pekinger Spiele und stellt die Internet-Infrastruktur mit 30.000 Desktop-Computern, Notebooks, Servern, Bildschirmen und Druckern. Industrieinsider schätzen den Wert der Sponsorenleistung, für die Lenovo die weltweiten Werberechte erhält, auf 70 Mio. Dollar (45 Mio. Euro). Insgesamt ist mehr als ein Dutzend Konzerne aus der Volksrepublik offizieller Sponsor oder Partner der Spiele, ihre Marketingausgaben liegen insgesamt im dreistelligen Millionenbereich.

Die Hightechfirma hat auch das Design der Fackeln für den Lauf mit dem Olympischen Feuer entwickelt. Die negativen Schlagzeilen, die im Zusammenhang mit der politischen Debatte über Pekings Olympische Spiele in Europa und den USA aufkamen, haben Lenovos Geschäfte nicht beeinflusst, sagte Yang dem Standard . "Wir haben nicht gespürt, dass sich das auf uns auswirkt."

Mini-PC für Fotografen

Der Vorstandschef eröffnete diese Woche auf dem Olympiagelände in Peking einen 1550 Quadratmeter großen Olympiapavillon seines Unternehmens. Dort wird es technologische Leistungen und Innovationen vorstellen. Für die Spiele hat es etwa einen Mini-PC in Größe eines Handys neuentwickelt, den Fotografen mit sich tragen können und der ihre Arbeit revolutionieren soll.

Über ein USB-Kabel ist er mit ihrer Kamera verbunden und überträgt alle Fotos sofort an die gewünschten Webseiten. 300 dieser vorerst nur für China entwickelten "Beacon-Prototypen" will der IT-Konzern bei den Spielen testen lassen. Lenovo ist der erste unter mehr als ein Dutzend Olympiapartnern, die sich und ihre Produkte mit eigenen Pavillons während der Spiele vorstellen.

Vier Jahre, nachdem Lenovo als erste chinesische Firma eine internationale Partnerschaft mit dem IOC einging und nach Turin nun Peking sponsert, hätten sie eines ihrer ursprünglichen Traumziele erreicht, sagte Yang.

Strategisch wichtige Partnerschaft mit IOC

Das 2004 im Ausland noch unbekannte und in China gerade drei Milliarden Dollar Umsatz machende Unternehmen sei auf dem besten Weg zum Global Player zu werden. Die IOC-Partnerschaft sei im Rückblick strategisch ebenso richtig gewesen, wie die spektakuläre Übernahme des PC-Geschäfts von IBM Ende 2004. Beide Schritte brachten Lenovo so weit, dass der Kon-zern jetzt erstmals unter die 500 weltgrößten Unternehmen der Fortune-Global-Liste aufgenommen wurde.

Weltmarktanteil wächst

Lenovo steigerte im Vorjahr seinen Umsatz um 17 Prozent auf 16,4 Mrd. Dollar und konnte seinen Gewinn versiebenfachen. Der Hersteller konnte seine weltweiten PC-Verkäufe bis März dieses Jahres um 20,3 Prozent steigern und baute seinen Anteil auf dem Weltmarkt auf 6,9 Prozent aus. Im chinesischen Markt hält es einen Anteil von 25 Prozent.

Am 7. August, einen Tag vor Beginn der Olympischen Spiele, wird das Unternehmen seine Zahlen für das am 31. Juli endende erste Quartal 2008 bekanntgeben. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD Printausgabe, 2. August 2008)

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Lenovo

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    Lenovo hat sich für Olympia 2008 unübersehbar in Position gebracht: Ein Pavillon auf dem Olypmpiagelände dient der Leistungsschau; die von dem PC-Hersteller designte Fackel ging bereits um die Welt.

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