Westenthaler macht Platz für Haider

2. August 2008, 19:43
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Kärntner Landeshauptmann wird Parteichef und überlegt Kandidatur als "Kanzlerkandidat", will aber nicht ins Parlament

Wien/Klagenfurt - Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider kommt wieder einmal zurück in die Bundespolitik - er löst Peter Westenthaler als BZÖ-Obmann ab. Darüber besteht zwischen den beiden Einvernehmen, ob Haider auch als Spitzenkandidat für die Orangen in die Nationalratswahl am 28. September ziehen wird, ist noch offen. Westenthaler wünscht sich das, Haider überlegt aber noch und betont, er würde nur als Kanzlerkandidat die Liste anführen, aber nicht ins Parlament gehen.

Westenthaler erklärte am Samstag, er sei sofort bereit, die Obmannschaft an Haider zu übergeben, der Landeshauptmann müsse aber auch die Spitzenkandidatur übernehmen. Eine Trennung der beiden Funktionen sei "nicht möglich". Er habe Haider gebeten, "die komplette Verantwortung" zu übernehmen. "Es gibt keinen anderen Spitzenkandidaten. Jeder andere wäre dem BZÖ abträglich und negativ", sagte Westenthaler.

"Interessanter Vorschlag"

Haider selbst bestätigte, dass er der Bitte nach Übernahme der Obmannschaft entspreche, hinsichtlich der Spitzenkandidatur müsse er aber noch nachdenken. "Das ist ein interessanter Vorschlag, den wir überlegen, diskutieren und dann entscheiden werden", sagte der Landeschef. Gleichzeitig stellte er jedoch klar, dass er "sicher nicht ins Parlament gehen" werde. Falls er seine Partei im kommenden Nationalratswahlkampf anführen sollte, dann nur als Kanzlerkandidat. "Wenn ich es mache, dann ist nur diese Variante vorstellbar", bekräftigte Haider, der bei der Landtagswahl im kommenden Frühjahr auch seinen Sessel als Landeshauptmann verteidigen will. Für Westenthaler wäre dies aber "kein Ausschließungsgrund".

Nicht ganz einig waren sich die beiden am Samstag auch, ob damit der auf der Gerüchtebörse gehandelte frühere FPÖ-Klubobmann und Volksanwalt Ewald Stadler als Spitzenkandidat des BZÖ keine Chance mehr habe. Haider erklärte im Radio-"Mittagsjournal", er habe zwar mit Stadler gesprochen, aber nicht über eine Kandidatur. Das wäre Sache Westenthalers. Er habe mit Stadler jedenfalls nach einer kurzen Phase des Konflikts jetzt wieder eine "gute persönliche Ebene" gefunden, versicherte Haider. Westenthaler meinte dazu, Stadler könne zwar für das BZÖ kandidieren, eine Spitzenkandidatur komme aber "überhaupt nicht in Frage".

Parteikonvent

Den Wechsel an der Parteispitze des BZÖ will Westenthaler jedenfalls so rasch wie möglich über die Bühne bringen, auf alle Fälle noch vor der Wahl. De facto habe er schon stattgefunden, formell werde es dazu noch einen Parteikonvent geben. Seinen Auftrag, ein Team der besten Köpfe zu bilden, sieht er jedenfalls abgeschlossen. Mit Haider als BZÖ-Obmann und Spitzenkandidat erwartet sich Westenthaler massive Zugewinne auf mindestens zehn bis 15 Prozent.

Seine eigene Zukunft ließ Westenthaler vorerst noch offen. Die Meldung in der Sonntagausgabe der Tageszeitung "Österreich", dass er seinen völligen Abschied aus der Politik nicht ausschließe, wollte der Noch-Parteichef nicht kommentieren: "Ich sage nichts dazu, ich habe heute schon genug geredet. Ich will nicht mehr." Was er künftig machen wolle, werde er sich noch gut überlegen.

Mit Häme reagierten die anderen beiden Oppositionsparteien. "Munter geht es drüber und drunter", sagte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. Offenbar sei das Haider'sche "Bin weg, bin da, bin irgendwo" jetzt endgültig "zur offiziellen Parteilinie des Orangenhains" geworden. Den Absurditäten seien keine Grenzen mehr gesetzt. Haider und Westenthaler würden sich einmal mehr als "Großmeister des Chaos" erweisen und die Politik "mit einem Tollhaus verwechseln", so Kickl.

Auch die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, konstatierte ein "völliges Chaos" im BZÖ: "Bin da, bin weg, da, weg - täglich grüßt das Murmeltier, wenn es um Haider geht. Das hat mit seriöser Politik nichts zu tun." Der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer äußerte Zweifel, ob die Forderung Westenthalers, dass Haider auch Spitzenkandidat werden solle, wirklich ernst gemeint sei. Der OGM-Chef hat den Verdacht, dass es sich um eine "unkoordinierte Einzelaktion" Westenthalers handle. Dass dem so sei, wurde aus BZÖ-Kreisen auch der APA gegenüber erklärt. (APA)

 

 

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    Westenthaler habe Haider gebeten, "die komplette Verantwortung" zu übernehmen: "Es gibt keinen anderen Spitzenkandidaten. Jeder andere wäre dem BZÖ abträglich und negativ."

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