Karadžic: Ex-ICTY-Richter rechnet mit zweijährigem Verfahren

2. August 2008, 08:11
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Österreicher Höpfl erwartet "Selbstdarstellung" wie im Milosevic-Prozess - Rechnet mit Festnahme des noch flüchtigen Mladic

Wien - Der bevorstehende Prozess gegen den wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten ehemaligen politischen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, könnte zwei Jahren dauern, meint Frank Höpfl, Professor für Strafrecht an der Universität Wien, der von 2005 bis 2008 als Richter am Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY) tätig gewesen ist. Eine "Selbstdarstellung" von Karadzic wie im "verunglückten Fall" des noch vor Prozessende verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic werde "nicht ganz zu verhindern" sein, sagte Höpfl in einem ORF-Radiointerview im Ö1-Morgenjournal am Samstag. Notfalls werde man Karadzic dann das Mikrofon abdrehen müssen.

Höpfl geht davon aus, dass der ehemalige Präsident der Serbischen Republik (Republika Srpska) in Bosnien nicht alleine auf der Anklagebank sitzen wird, und rechnet mit der Festnahme des noch flüchtigen Ex-Militärchefs Ratko Mladic. Beide müssten sich in erster Linie wegen der Belagerung von Sarajevo und des Massakers von Srebrenica verantworten. Es liege eine lange Zeugenliste vor, und man müsse für ausreichenden Zeugenschutz sorgen, betonte der österreichische Jurist. Dazu gehörten die Geheimhaltung der Namen und die Verzerrung von Bild und Stimme bei der Übertragung der Aussagen. Die Auslieferung von Karadzic durch Belgrad bedeute einen "Wendepunkt" im Verhalten der serbischen Regierung, nun müsse man "auf das serbische Volk zugehen". So würden Kriegsverbrecherprozesse auch im Land selbst möglich sein, sagte Frank Höpfl. (APA)

 

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