Der neue König und der falsche Raab

1. August 2008, 20:13
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Dinge werden eben leicht übersehen

Bunte, Goldenes Blatt, Society oder ein ähnliches Medium: Wer dort beschäftigt ist, erkennt gekrönte Häupter, deren Anhang und andere Prominente auch mitten im Arlbergtunnel bei völligem Lichtausfall. Unsere Arbeitsbedingungen sind andere, deshalb ist es geboten, hier ein wenig Klarheit über das Who’s who im Blatt zu schaffen.

In der Ausgabe vom 30. Juli veröffentlichten wir einen Bericht über den neuen, am Freitag gekrönten König von Tonga. Das Bild dazu trug nicht in wünschenswertem Ausmaß zur Mehrung des Wissens bei. Da George Tupou V. als Südseemonarch in den Gazetten nicht auftaucht, kennt man ihn wenig, und es blieb offen, welcher der abgebildeten drei Herren der Monarch ist. Im Bildtext verrieten wir es nicht. Also: Der König ist der mit dem meisten Gold und der prächtigsten Uniform, wenn er sich nicht gerade den Hermelinpelz umlegt.

Blicken wir ein wenig weiter zurück, ins Album vom 5. Juli. Thomas Raab stellte dort unter Grenzerfahrungen „Meine Seite!“ vor. Und wir stellten am Ende des Artikels den Autor vor: „geb. 1968 in Odessa, lebt als Kognitionsforscher, Schriftsteller und Übersetzer in Wien. Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie in Graz, Wien und Berkeley.“ Dieser Thomas Raab veröffentlichte Nachbrenner (Suhrkamp-Verlag) und Verhalten (Tropen-Verlag), der Album-Text stammt jedoch nicht von ihm.

Die bei uns erschienen Grenzerfahrungen stammen von jenem Thomas Raab, der 1970 in Wien geboren wurde, Klavier spielt, eigene Lieder, Songzyklen und Live-Programme schrieb und musikalischer Leiter einer Wiener Musicalschule war. Nach dem Studium der Mathematik und der Sportwissenschaften arbeitete er als Pädagoge. „Zuletzt erschien von ihm (bei Leykam) der Kriminalroman ‚Der Metzger sieht rot.‘“ Immerhin, der Schlusssatz der Kurzbiografie war richtig. Wenn zwei Autoren denselben Namen tragen und man googelt diesen, um eine fast vollgeschriebene Zeitungsseite endlich fertigstellen zu können, kann so etwas passieren.

Aber Dinge werden eben leicht übersehen. So geschehen auch in unserer „Bilanz in Rot-Schwarz“ vom vergangenen Montag. „Die SPÖ-geführte Regierung kehrte zu einer roten Tradition zurück und setzte eine eigene Frauenministerin ein, die außerdem die Beamten- und Medienagenden erhielt. Unter Schwarz-Blau/Orange hatte es lediglich eine Frauensektion im Bundeskanzleramt gegeben“, hieß es dort. Das stimmt leider nicht: In den Jahren 2003 bis 2007 gab es mit Maria Rauch-Kallat (ÖVP) durchaus eine Frauenministerin. (Otto Ranftl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. August 2008)

Sie erreichen Otto Ranftl, den Leserbeauftragten des STANDARD, unter otto.ranftl@derStandard.at oder Leserbriefe@derStandard.at

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