Skaterpark kracht "wie im Krieg"

1. August 2008, 20:03
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Anrainerbeschwerden über Salzburger Boarder beschäftigen die Stadtpolitik

Salzburg - "Ideal" sei der Standort, schwärmte Max Stamler vom Skateboard-Verein "Rollbrett" noch bei der Eröffnung vor zwei Wochen: Der neue "Skate@Action-Park" liegt immerhin am südlichen Stadtrand, unter der Hellbrunner Brücke, neben einer vierspurigen Hauptverkehrsader (der Standard berichtete). Probleme mit Anrainern hatte niemand erwartet. Eingetreten sind sie dennoch: "Man kann nicht einmal mehr in Ruhe draußen sitzen und essen", es krache "wie im Krieg", hieß es am Donnerstagabend bei einer Versammlung mit zwei Dutzend aufgebrachten Nachbarn. Eine private Schallmessung an einem 35 Meter entfernten Balkon habe bei den Sprüngen der Skateboarder sogar 80 Dezibel ergeben - der Straßenlärm verursache nur 50 Dezibel.

Schuld daran seien die nach hinten offenen provisorischen Holzrampen im Skaterpark, sagt Stamler: Die seien "im Prinzip nichts anderes als Resonanzkörper". Weit weniger Lärm würden Rampen und Wannen aus Beton machen - aber der Umbau koste 150.000 Euro. "Die Stadt hat von vornherein gesagt, nein, das ist viel zu teuer", berichtet Stamler. Mehr als 50.000 Euro wollten Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) und sein Jugendkoordinator Jochen Höfferer für das Projekt nicht ausgeben.

Der Streit um den Skaterpark dient mittlerweile als Munition für den bevorstehenden Gemeinderatswahlkampf. VP-Jugendsprecherin Gertraud Lackner etwa kritisiert, dass Bürgermeister Schaden die Anlage noch vor der Freigabe durch den TÜV eröffnet hatte: "Ich finde das schon fahrlässig, wenn man auf der Jagd nach der schnellen Schlagzeile die Jugendlichen gefährdet", richtete sie ihm per Aussendung aus.

Ingeborg Haller, Gemeinderätin der grünen Bürgerliste, versucht indes in Lokalaugenscheinen, Skater und Anrainer ins Gespräch zu bringen. Gemeinsam mit Stamler fordert sie von der Stadtregierung, das Geld für Lärmschutzwände und den Endausbau in Beton in die Hand zu nehmen. In Innsbruck habe man "gleich Nägel mit Köpfen gemacht" und eine ähnliche Anlage von Anfang an in Beton errichtet, sagt Stamler. Außerhalb von Innsbruck gebe es sogar einen Betonpark "mit europäischem Topniveau", der von sieben Gemeinden gemeinsam finanziert worden sei. Kostenpunkt: Knapp 300.000 Euro. (Markus Peherstorfer/DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.8.2008)

 

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