Politik für "Jackass"

1. August 2008, 17:23
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Ausgerechnet MTV, das stand früher einmal für Music Television, entdeckt die Politik für sich - Wieder

Wenn das bloß die jahrelang von Jackass, dümmlichen Reality-Formaten wie Dating Shows und ähnlich bescheiden behirnten Programmen unterforderte Klientel nicht vertreibt! Denn ausgerechnet MTV, das stand früher einmal für Music Television, entdeckt die Politik für sich. Wieder.

Denn das gab es schon einmal. Nämlich in den frühen 90ern, als MTV mit der Kampagne "Choose or Lose" seine Seher dazu ermutigte, sich in ihren Wahlkreisen registrieren zu lassen - und günstigerweise am Wahltag auch wählen zu gehen.

US-Staatsoberhaupt von MTVs Gnaden

Ein Umstand, der dem damals gewählten US-Präsidenten Bill Clinton den Ruf einbrachte, das erste US-Staatsoberhaupt von MTVs Gnaden zu sein. Immerhin war Clinton, der bekanntlich nicht inhalierte, sondern seinen reinen Atem lieber dem Saxofonspiel widmete, damals sogar am Cover des Rolling-Stones-Magazins gewesen.

Das war nun auch der aktuelle Kandidat der Demokraten, Barack Obama, der die - so könnte man deuten - auch für MTV sehr dunklen Jahre der Bush-Administration nicht nur beenden, sondern das Land in eine neue, bessere Zukunft führen soll: "Change" und "Hope" , bekanntlich.
Das alte Motto "Choose or Lose" hat MTV in eine übergeordnete Kampagne mit dem Titel "Think" eingebettet.

"Choose or lose"

"Think" will aber nicht bloß Wähler rekrutieren, es thematisiert die in den US-Medien weitgehend ignorierten Afghanistan- und Irakkriege, in dem es etwa Berichte über Veteranen zeigt, die von der jetzigen Regierung mehr oder weniger sich selbst überlassen werden. Ein paar Dollar reichen nicht aus, um schwere psychische Krankheiten zu behandeln. Unterstützt wird "Think" von Prominenz von Leonardo DiCaprio bis zu - Überraschung! - Bono von U2.

Also: Erst wenn Barack Obama gewonnen hat, dürfen alle wieder Jackass schauen. "Choose or lose." (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.8.2008)

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