ÖIAG empfiehlt der Regierung die Vollprivatisierung

1. August 2008, 18:04
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Staatsholding beantragt Mandat zum Totalverkauf - Hannes Androsch rät zu einer Kapitalerhöhung, das Geld könnte sich der Bund später zurückholen

Wien - Nach dem AUA-Aufsichtsrat hat am Freitag erwartungsgemäß der ÖIAG-Aufsichtsrat der Regierung empfohlen, die angeschlagene AUAan einen strategischen Partner zu verkaufen. ÖIAG-Präsident Peter Mitterbauer sagte, angesichts der Konsolidierung der Branche "dulde die Partnersuche keinen Aufschub" . Im Privatisierungsauftrag sollten Ziele wie der Erhalt der Marke und ein "angemessenes Streckennetz" definiert werden. Ob die Regierung die Empfehlung der ÖIAG annimmt, ist offen. Denn die ÖVP braucht dafür die Zustimmung der SPÖ.

Mehrheitsverkauf

Die ÖIAG will von der Regierung einen Privatisierungsbeschluss von bis zu 100 Prozent, um größtmögliche Flexibilität bei den Verhandlungen zu haben. Die ÖIAG hält knapp 43 Prozent der Anteile. Inklusive der mit ihr syndizierten Aktien der Banken und der Wiener Städtischen geht es in Summe um knapp 51 Prozent. Die Finanzinstitute würden sich beim Verkauf der ÖIAG anschließen.

Ob die SPÖ beim Ministerrat am 12. August ihre Zustimmung zu einer Privatisierung gibt, steht in den Sternen. Bei einem Treffen mit Finanzminister Wilhelm Molterer und ÖIAG-Vertretern bekommt der designierte SP-Chef Werner Faymann am Dienstag erstmals Details der Boston-Consulting-Studie präsentiert.

Androsch: "Schlechtestmöglicher Zeitpunkt"

Faymanns Berater, Hannes Androsch, sagte zum STANDARD, "zum schlechtestmöglich Zeitpunkt verkauft man am Kapitalmarkt nicht", schon gar nicht wenn, wie Molterer sage, keine Insolvenzgefahr bestehe. Da sei es besser, der Bund zeichne eine Kapitalerhöhung und bekomme das Geld bei einem eventuell späteren Verkauf wieder zurück. Die Eile, die die ÖIAG jetzt an den Tag lege, sei doch nur "der Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen".

Wilhelm Haberzettl, Vorsitzender der SP-Gewerkschafter im ÖGB, greift AUA-Chef Alfred Ötsch an: "Im Frühling gab es Jubelmeldungen, dass der Turnaround geschafft und eine Stand-alone-Lösung möglich sei. Und nur wenige Wochen später soll das alles nicht mehr gelten und die Jubelmeldungen brechen in sich zusammen. Solche Sachen versteht die Bevölkerung nicht und die betroffenen Beschäftigten schon gar nicht."

Kritiker eines AUA-Verkaufs verweisen auf ein vor zwei Jahren im Auftrag der ÖIAG erstelltes Gutachten von Roland Berger, das nicht den aktuellen Favoriten Lufthansa, sondern eher die Air France als idealen Partner sieht. Dieses Gutachten werde aber von ÖIAG-Chef und AUA-Präsident Peter Michaelis unter Verschluss gehalten. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.8.2008)

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    Geht es nach der ÖVP und der Staatsholding ÖIAG, wird die AUA in Richtung Vollprivatisierung gelenkt. Die SPÖ will sich erst entscheiden, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen.

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