Europa: Autowerte mit Gewinnproblemen

1. August 2008, 16:13
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Ein Kommentar von Hans Engel aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Eine Woche nach der Reduktion der Gewinnprognose für das Jahr 2008 durch
Daimler gab heute auch BMW bekannt, dass aufgrund von Kostensteigerungen und
fallenden Umsätzen in den USA (- 10%) die ursprünglichen Gewinnerwartungen für
dieses Jahr nicht aufrecht erhalten werden können. Das Unternehmen sieht auch
im kommenden Jahr schwierige Bedingungen und erwägt Produktionskürzungen
und Preiserhöhungen bzw. den Export von Fahrzeugen aus den USA in rentablere
Absatzmärkte.

Für BMW haben diese Entwicklungen gravierende Auswirkungen, die Aktie büßte
bereits am Freitag mehr als 8 Prozent ihres Wertes ein. Die Aktie ist, gleich wie
nahezu alle anderen dieses Sektors, im Abwärtstrend und wahrscheinlich erst in
einigen Quartalen kaufenswert. Volkswagen bleibt bei seinen Plänen in den USA
Produktionskapazitäten aufzubauen, obwohl die Industrie dort einige Millionen
Fahrzeuge mehr produzieren kann, als nachgefragt werden. Die Wahrscheinlichkeit,
dass diese Planungen von Volkswagen nicht erwartungsgemäß aufgehen, ist
angesichts der voraussichtlich noch länger andauernden Wachstumsschwäche in
den USA sehr hoch. Der Haupteigentümer von Volkswagen, Porsche Automobil
Holding, wird deshalb voraussichtlich feststellen, dass auch dessen Margen deutlich
sinken werden. Da bei diesem Unternehmen mittlerweile die negativen Aspekte
überwiegen, streichen wir heute diese Aktie von unserer Empfehlungsliste. Zu sehr
belastet auch hier das eingetrübte Konsumentenvertrauen auf beiden Seiten des
Atlantiks die Aussichten auf steigende Verkaufserlöse und Gewinne. Wenn noch
dazu Kostensteigerungen den ganzen Sektor belasten, gibt es derzeit für einen
Investor wenig Grund die Aktien von Porsche weiter zu halten. Das Risiko für
Enttäuschungen ist jetzt einfach zu hoch.

Stattliche Gewinnzuwächse melden hingegen derzeit die europäischen Energiekonzerne.
Statoil, Norwegens größter Öl- und Gaskonzern, berichtete, dass sein
Nettogewinn im zweiten Quartal auf EUR 2,35 Mrd. gestiegen ist. Der Gewinn je
Aktie konnte von NOK 4,28 auf NOK 5,89 gesteigert werden (+ 37,6%). Trotz der
hohen Preise konnte der Output nur um etwas mehr als 2,3 Prozent gesteigert
werden. Damit dokumentiert auch Statoil, gleich wie Exxon und viele andere
Ölkonzerne auch, dass es nicht an den Preisen liegen kann, wenn die Produktion
nicht mit dem globalen Wachstum Schritt halten kann. Auch Total SA, Europas
drittgrößte Ölfirma erzielte im 2. Quartal ebenfalls eine hohe Steigerungsrate beim
Nettogewinn (EUR 7,36 Mrd., plus 39% vs. dem Vergleichsquartal des Vorjahres).
Auch in diesem Fall war der Beitrag durch effektive Produktionssteigerungen
minimal (nur +1,3%). Die Aktie notiert derzeit nicht höher als vor drei Jahren. Diese
Aussage trifft für viele Unternehmen aus diesem Sektor zu, womit klar erkennbar
ist, dass Investoren die in dieser Branche ausgewiesenen Gewinnsteigerungen als
nicht sehr nachhaltig einstufen.

Faktum ist, dass nachhaltiges Wachstum vor allem bei Qualitätsunternehmen im
Bereich der alternativen Energien zu finden ist. Gamesa, der spanische Hersteller
von Windturbinen übertrifft die Gewinnsteigerungen der Ölwerte bei weitem: der
Halbjahresgewinn dieses Unternehmens legte um 69% zu (mit Berücksichtigung
der Sondereffekte: + 212%), der Umsatz stieg um 34%. Die Aktie konnte in den
letzten 3 Jahren knapp 150% zulegen. Auch wenn sich der Aufwärtstrend in den
letzten Monaten abgeschwächt hat, erscheint die Aktie dieses Unternehmens bei
Rückschlägen kaufenswert. Vorsichtige Investoren nutzen dafür Phasen der Marktschwäche.

Diese Aussage gilt auch für das dänische Unternehmen Vestas Wind
Systems. Diese Firma konnte Ende Juli einen größeren Auftrag aus China zur
Lieferung von Windturbinen bekanntgeben. Nachdem die Unternehmen aus dem
Bereich der alternativen Energie derzeit wesentlich kleiner sind als ihre traditionsbehafteten Mitbewerber der Ölbranche, müssen sich Anleger aber der überdurchschnittlichen
Volatilität der Titel dieses Sektors bewusst sein. Die voraussichtlich
deutlich bessere Kursentwicklung sollte das erhöhte Risiko bei weitem ausgleichen.

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