der schönste Tag der Woche: Telefon und Handgurken

1. August 2008, 15:06
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"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht "Stufen"

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht "Stufen", was ich so interpretiere, dass man auch beim Stufensteigen das zauberhafte Element nicht vergessen sollte. Aber wenn man von den Stufen einmal absieht: Wie verhält es sich mit dem Anfangszauber z. B. im Bereich der Telekommunikation? Der erste Satz, der je in einen Telefonhörer gesprochen wurde, lautete bekanntlich: "Ein Pferd frisst keinen Gurkensalat" . Das war am 26. Oktober 1861 in Frankfurt am Main, als Philipp Reis seine neueste Erfindung einem interessierten Publikum vorstellte. 1877, als Tivadar Puskás in Boston einen neuen Prototyp von Telefonapparat testete, hörte er am anderen Ende der Leitung das Wort "hallod?" - "hörst du?" -, woraufhin er antwortete: "hallom" - "ich höre es" . Hätte Puskás geahnt, dass 131 Jahre später mehrere Milliarden Menschen täglich "Hallo" in ihre Handys brüllen würden, ich glaube, er hätte sich seine Antwort gründlich überlegt.

Weil wir schon bei der Telekommunikation sind: Die erste E-Mail, die in der BRD empfangen wurde, hatte den Wortlaut: "This is your official welcome to Csnet! We are glad to have you aboard." Wie langweilig, verglichen mit dem Pferd, das keinen Gurkensalat frisst. Aber ich erwähne das ja auch nur, weil sich dieses Ereignis am 2. August 1984, also vor exakt 24 Jahren, an der Universität Karlsruhe zugetragen hat. Das Stichwort "Gurkensalat" führt mich schnurstracks zu einem anderen Thema. In Österreich sagte man früher zu Mobiltelefonen ja "Handgurken" , was mir wesentlich besser gefällt als "Handy" . Aber die Firma Do & Co sucht für das Filmfestival auf dem Rathausplatz ja auch "Table Cleaner" und keine "Tischabwischer" , und Security-Firmen schalten Inserate für "Fence Heads" und nicht für "Zaunoberbewacher" . EUROPAIN wiederum wäre - aus österreichischer Sicht - ein schönes Synonym für die Fußball-EM gewesen, da es sich dabei aber um ein französisches Wort handelt, ist damit nicht der EURO-Schmerz, sondern die "Internationale Fachmesse für Bäckerei und Konditorei" in Paris gemeint. Der offiziellen Homepage dieser Messe entnehme ich, dass sie auch heuer wieder ein voller Erfolg war: "Das Lächeln auf den Lippen, alle sind sich darin einig, die Messe bleibt der Liebling der Handwerker, die zusammen 64 Prozent der Besucher stellen." Bevor ich jetzt zu rechnen beginne, gebe ich lieber zurück an die Redaktion. (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD, 02.08/03.08.2008)

 

 

 

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    foto: photodisc
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