Parlament wird 2010 umgebaut

1. August 2008, 13:53
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Büro Heidl gewinnt Wettbewerb für Plenarsaal-Umbau - Schwerpunkt liegt auf Barrierefreiheit und Modernisierung - Kosten wird die Renovierung etwa 17 Millionen Euro

Wien - Das Linzer Architektenbüro Heidl hat den Wettbewerb für den Umbau des Nationalrats-Sitzungssaales gewonnen. In einer siebenstündigen Sitzung habe sich die Jury gestern, Donnerstag, spätabends einstimmig "für Kontinuität und für ein ruhiges, klassisches Projekt mit klaren Strukturen" entschieden, wie Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei einer Pressekonferenz am Freitag bekanntgab. Der Umbau, dessen prognostizierte Kosten von 17 Millionen Euro die veranschlagten 21 Millionen unterschreiten, werde sich durch die anstehende Neuwahl allerdings verzögern. Ein Baubeginn vor dem Sommer 2010 sei nicht realistisch.

Die wichtigsten Veränderungen betreffen die Barrierefreiheit, die technische Modernisierung und die Besucherzonen. So soll die Säulenhalle unterhalb des Saales als Besucherzentrum genutzt werden, von dem aus die drei Galerien erreicht werden. Auch das Dachgeschoß soll nach dem Entwurf der Heidl-Architekten neu aktiviert werden - Gastronomie und ein kleiner Garten sind hier vorgesehen. Wichtigstes Anliegen für Prammer war allerdings die Barrierefreiheit "für alle Positionen, die man in diesem Saal bekleiden kann." Rollstuhlfahrer werden künftig sowohl als Abgeordnete, als Regierungsmitglieder, im Parlamentspräsidium oder auf den Medien- und Besucherrängen problemlos zu ihren Plätzen gelangen.

Verzögerung durch Neuwahlen

Der Entwurf des Büro Heidl, das bereits u.a. am Neuen Linzer Rathaus beteiligt war, ging aus einem zweistufigen Verfahren hervor. Von ursprünglich 21 Einreichungen waren sieben überarbeitete Versionen gestern diskutiert worden. "Es gab einige diametral entgegengesetzte Ansätze", erzählte Jury-Präsident Boris Podrecca. Manche Kollegen hätten sich für "starke Bodybuilder-Entwürfe" entschieden, die jedoch die Bausubstanz des ursprünglichen Architekten Theophil Hansen zugunsten von Modernität zerstört hätten. "Wir wollen keinen baulichen Invaliden hinterlassen", so Podrecca. Stattdessen habe man sich zu einem "lyrischen, feinen Vorgehen" im Kontext der bestehenden Architektur entschlossen. "Wir brauchen keinen Heuler, der in zehn Jahren nicht mehr zeitgemäß ist", zeigte sich auch Prammer von der Nachhaltigkeit des Projekts überzeugt. Eine Glas-Holz-Ummantelung soll eine ruhige Atmosphäre schaffen. "Der Raum soll ja bei den Diskussionen nicht mitstreiten", scherzte Podrecca.

Die weiteren Verhandlungen mit dem prämierten Architekten, die Detailplanung und die behördlichen Wege werden sich durch die bevorstehende Neuwahl allerdings verzögern. Das Sonderbudget wurde zwar seit Jahren eingeplant, das notwendige Bundesfinanzgesetz geht sich in der aktuellen Legislaturperiode allerdings nicht mehr aus. Bis unter der neuen Regierung wieder Bewegung in die Sache kommt, sollen die Einreichungen sowie der Gewinner-Entwurf im Palais Epstein ausgestellt werden. Bei einem Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte 2010 könnte der Nationalrat dann ab Anfang 2012 in den neuen Saal einziehen. Von den aktuellen Entwicklungen bedroht sieht Prammer den Umbau jedenfalls nicht. "Solche sensiblen Projekte muss man aus der Tagespolitik heraushalten", mahnte die Nationalratspräsidentin. Sollte man jetzt einen Stopp verhängen, würde man "eine sehr hohe Summe Geld in den Sand setzen." (APA)

 

 

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    Foto: APA/Pfarrhofer

    Barbara Prammer ist die Barrierefreiheit des neuen Parlamentsgebäude ein besonderes Anliegen. Bisher waren viele Bereiche nur über Treppen erreichbar.

  • Eine Grafik des neuen Plenarsaals.
    grafik: parlament
    Grafik: Parlament

    Eine Grafik des neuen Plenarsaals.

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