Hintergrund: Aktuelle Ergebnisse bestätigen frühere Befunde

1. August 2008, 13:34
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Nachweis für Wasser wurde bereits bei anderen Mars-Missionen erbracht - Voraussetzung für Leben auf dem Mars sind gegeben

Graz/Wien - Zwar nicht als "ersten Nachweis", sondern vielmehr als Bestätigung von Wasservorkommen auf dem Mars durch frühere Beobachtungen wertet Wolfgang Baumjohann, Leiter des Grazer Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), die jüngsten Ergebnisse der US-Raumsonde "Phoenix". Der Nachweis von Wasser bzw. Eis auf dem Roten Planeten sei bereits 2004/05 durch die ESA-Mission Mars-Express geglückt, erklärt Baumjohann.

Die Idee, dass es auf dem Mars Wasser - und damit die Voraussetzung für Leben - geben könnte, ist fast so alt wie die moderne Astronomie. So glaubten durchaus seriöse Wissenschafter früher an die Existenz eines regelrechten Kanalsystems und damit einer Zivilisation auf dem Roten Planeten. Während sich die Theorie der Marskanäle nicht bestätigte, ging die Suche nach Wasser weiter.

Erste Hinweise auf Wasser bereits 1960

Die ersten Hinweise von Wasser wurden in den 1960er Jahren veröffentlicht. Damals wurde der Mars aus hoch fliegenden Flugzeugen mittels Infrarotspektroskopie gescannt und dabei Wasserdampf gefunden. Auch die Wiking-Sonden in den 70er Jahren wurden auf die Wassersuche angesetzt und fündig. 1997 entdeckte der Mars Global Surveyor geologische Strukturen, die auf flüssiges Wasser hinwiesen.

2004 stieß der NASA-Rover "Opportunity" auf Spuren von wirklich großen Mengen an flüssigem Wasser. So fanden sich typische Schichtungen und Wellenstrukturen wie sie auf der Erde etwa in flachen Gewässern zu beobachten sind. Die Experten schlossen daraus, dass Regionen des Mars irgendwann für längere Zeit mit flüssigem Wasser bedeckt gewesen sein müssen.

"Keine echte Sensation"

Mittels Infrarot- und Radar-Sensoren der ESA-Mission Mars-Express gelang dann 2004/05 dann tatsächlich der Nachweis, dass sich einerseits in der dünnen Atmosphäre des Mars tatsächlich Wasserdampf findet und dass es auf dem Planeten auch große Mengen an Wassereis gibt. Die Bestätigung durch die jüngsten Phönix-Daten wertet Weltraum-Experte Baumjohann als "sehr interessant", eine echte Sensation seien die Experimente allerdings nicht.

Dabei könnte Phönix aufgrund der technischen Ausstattung durchaus noch für echte Sensationen sorgen, wenn nämlich höhere Kohlenwasserstoffe als Hinweise auf Leben auf dem Roten Planeten gefunden würden. "Im Gegensatz etwa zu Methan, das auch chemisch entstehen kann, wären größere Kohlenwasserstoffmoleküle ein Hinweis auf Organismen", so der Experte.

Mögliches Leben

Wasser, das jedenfalls zeitweise in flüssiger Form vorliegt, wäre vorhanden, und das ist nach Ansicht von Biologen Voraussetzung für die Entstehung von Leben. Beispielsweise auf den vermeintlichen Lebensspender Sauerstoff können viele Spezialisten aus dem Reich der Mikroorganismen verzichten, aber ohne Wasser geht nichts.

Obwohl sich der Mars derzeit als eine höchst lebensfeindliche Welt präsentiert, lehren doch Funde von Leben in extremen Lebensräumen der Erde, dass diesbezüglich quasi nichts unmöglich ist. So finden sich Mikroorganismen selbst in heißen Quellen, in Wasser nahe am Siedepunkt. Auch in dicken Eisschichten antarktischer Seen konnten Wissenschafter anhand von Bohrkernen sogenannte Blaualgen nachweisen. Diese sind eher mit den Bakterien als mit den echten Algen verwandt und gelten als heiße Kandidaten für das erste Leben auf der Erde. Ebenfalls im ewigen Eis der Antarktis wurden erst kürzlich 3.000 Jahre alte, noch lebende Blaualgen entdeckt.

Doch nicht nur abgelegene Gebiete halten Überraschungen bereit, wenn es um die Anpassungsfähigkeit von Mikroorganismen geht. So galt der menschliche Magen aufgrund seines sehr sauren Inhalts - die Magensäure hat einen pH-Wert von rund 1,5 - als absolut lebensfeindlich. Erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckten Mediziner dann das Bakterium Helicobacter pylori, das sich in der Magensäure offenbar recht wohl fühlt und so manchem Menschen zu heftigem Unwohlsein verhilft. (APA/red)

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