Kunsthandwerk um 1900

4. August 2008, 09:42
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Mit der Sonderausstellung "Wiener Moderne" in Innsbruck wird die Entwicklung des Wiener Jugendstils in allen Facetten gezeigt

Innsbruck - Verglichen mit dem übrigen Europa trat der Jugendstil in Wien spät hervor. Die allgemeine Forderung, der neuen Zeit auch "einen neuen Stil zu geben" wurde in Wien zuerst von dem Architekten Otto Wagner aufgestellt und von seinen Schülern begeistert aufgegriffen.

Zeigten sich auch in Wien kurze Zeit vor der Jahrhundertwende florale und zoomorphe Züge, so wurden diese sehr schnell überwunden. Noch vor 1900 wurde die bewegte Form zugunsten einer stereometrischen aufgegeben. Rechteck und Quadrat wurden verstärkt als tektonisches Grundelement bei Möbeln, aber auch bei den frühen Metallarbeiten nach den Entwürfen Josef Hoffmanns und Kolo Mosers, ausgeführt in der Wiener Werkstätte, herangezogen. Gebrauchsgegenstände wie Möbel, Gläser, Tischgerät, Schmuck und Textilien wurden von Künstlern entworfen und zusammen mit der sie umgebenden Architektur und Kunst als Gesamtkunstwerk gesehen.

Ornament als "Verbrechen"

Nicht nur formal, auch in der Ornamentik ging Wien einen eigenen Weg. War die frühe Flächenkunst der Sezessionisten stark von der japanischen Graphik geprägt, so wurden die geschwungenen Linien nach der Jahrhundertwende von Punkten, Kreisen oder Quadraten, in Reihen und Friesen zusammengefasst, verdrängt. Sehr früh setzte auch der Kampf gegen das Ornament überhaupt ein. Die Ideen Wagners konsequent verfolgend postulierte Adolf Loos kurz nach 1900 das Ornament als Verbrechen. Dies wurde jedoch von den Künstlern der Wiener Werkstätte und den Schülern der Kunstgewerbeschule angezweifelt, erkämpfte sich doch das Ornament wieder einen festen Platz in der Gedankenwelt dieser Designer.

Die Entwicklung des Wiener Jugendstils von den Anfängen der Sezession und Wiener Kunstgewerbeschule zu der avantgardistischen Linie der Wiener Werkstätte aufzuzeigen ist Ziel der Ausstellung. Entwurfszeichnungen, Plakate, Schmuck, Möbel, Gläser, Keramiken Accessoires und Gegenstände aus edlem und unedlem Metall unterstreichen die bedeutende Rolle, die Wien als Geschmacksbildnerin zu Beginn des 20.Jahrhunderts geleistet hat. (red)

 

Sonderausstellung:
Kaiserliche Hofburg zu Innsbruck
Barockkeller (Eingang Hofgasse)
Dauer der Ausstellung:
Noch bis 5. Oktober 2008
Öffnungszeiten:
Täglich 9.00 bis 17.00 Uhr
Letzter Einlass 16.30 Uhr
Eintrittspreise: Erw. Euro 6,00; SeniorInnen, StudentInnen Euro 4,50;
SchülerInnen Euro 2,60; Kinder bis 14 Euro 1,50; Gruppen Erw. Euro 5,00;
Kombiticket Hofburg + Sonderausstellung Erw. Euro 10,00

  • Zei ausgestellte Objekte bei der "Wiener Moderne"
    Foto: APA/ots

    Zei ausgestellte Objekte bei der "Wiener Moderne"

  • Artikelbild
    Foto: APA/ots
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