England führt "Ärzte-Pickerl" ein

1. August 2008, 17:14
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Großbritanniens Mediziner sollen alle fünf Jahre in Prüfungsstress versetzt werden - Piloten gehören zur meistgeprüften Berufsgruppe

Englands Ärzten und Ärztinnen steht die größte Reform seit 150 Jahren bevor. Ab dem Jahr 2010 sollen sie alle fünf Jahre in Rahmen von Tests und Computersimulationen unter Beweis stellen, dass sie den Anforderungen des Arztberufs gerecht werden. Werden die Tests nicht bestanden, müssen sie Nachschulungen absolvieren und sich erneut dem "Ärzte-Check" stellen.

Für Österreich sei ein derartiger Check nicht notwendig, sagt Wolfgang Routil, Präsident der Österreichischen Akademie der Ärzte im Gespräch mit derStandard.at.  Hierzulande müssten sich MedizinerInnen ohnehin regelmäßigen Prüfungen unterziehen. England und Österreich seien zudem was die ärztliche Ausbildung betrifft nicht vergleichbar, sagt Routil. Dass die österreichische Ärzteausbildung im europäischen Spitzenfeld liegt, würden zahlreiche Evaluierungen zeigen. Die Facharztprüfung, Pflicht zur laufenden Fortbildung für Ärzte, Kontrolle der Arztpraxen und krankenhausinterne Fortbildungen seien hervorragende Instrumente, die die Qualitätsstandards gewährleisten, so Routil im Gespräch mit derStandard.at.

Piloten werden halbjährlich überprüft

Zur der am häufigsten kontrollierten Berufsgruppe gehören übrigens die Piloten. Bei den laufenden Fluglizenz-Überprüfungen müssen Piloten und Pilotinnen der Austrian Airlines dem jährlicher Licence Check sowie dem halbjährlichen Simulator Check unterziehen.

Beim Simulator Check werden alle Notverfahren sowie die "normalen Routinen" geprüft. Zusätzlich erfolgt der jährliche Line Check bei laufendem Betrieb. Während eines planmäßigen Linienfluges fliegt dabei der Prüfer im Cockpit mit und überwacht die Flugdurchführung. Weiters müssen Linienpiloten bei Austrian Airlines vor Antritt jedes Fluges innerhalb der letzten 90 Tage mindestens drei Starts und drei Landungen absolviert haben.

Sollte ein Pilot den Simulatorcheck nicht bestehen, wird er sofort vom Flugdienst abgezogen, erklärt Michael Braun, Pressesprecher der AUA im Gespräch mit derStandard.at. Er hat die Möglichkeit, die Prüfung zu wiederholen, fällt diese nochmals negativ aus, liegt es im Ermessen der Behörde, eine weitere Prüfung anzusetzen oder die Lizenz zu entziehen.  Piloten müssen sich außerdem - je nach Alter - jährlich oder halbjährlich medizinischen Eignungstests unterziehen. (burg/derStandard.at, 1. August 2008)

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    Für Österreich sei ein "Ärzte-Pickerl" nicht notwenig, sagt Wolfgang Routil, Präsident der Österreichischen Akademie der Ärzte.

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