Der Troll: Ein Internet-Phänomen

1. August 2008, 12:14
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Mit der zunehmenden Verbreitung des Netzes wird auch das "Trollen" zunehmend aggressiver - mit zum Teil nachhaltigen Auswirkungen

Für viele Internet-BenutzerInnen gehören sie zu den unangenehmsten Begleiterscheinungen der Online-Welt: Die so genannten "Trolle" können das Leben im Web manchmal recht mühsam machen, ist es doch ihr Ziel sich einen Spass auf Kosten normaler Netz-NutzerInnen zu erlauben. Was in vielen Fällen schlicht unangenehm ist, kann manches Mal das Leben zu einer wahren Hölle machen, wie die New York Times in einem ausführlichen Feature herausarbeitet.

Vorgeschichte

Begonnen hatte alles Ende der Achtziger Jahre, als das Wort "Troll" für jene geprägt wurde, die gezielt Diskussionen in Online-Communities - damals vornehmlich Usenet-Groups - zu sabotieren suchen. Dabei bedienen sie sich einer "pseudo-naiven" Taktik, vornehmlich naive Fragen sollen das Opfer in die Falle locken, um anschließend mit Fragen genervt oder bloßgestellt zu werden.

Lulz

Die "Währung" der Trolle sind dabei die "Lulz", eine Abwandlung des Akronyms LOL, das gemeinhin für "Laughing out loud" steht. "Lulz" gibt es dafür, wenn es gelingt andere Internet-BenutzerInnen in die Verzweiflung zu treiben - und sich mit den eigenen FreundInnen darüber zu amüsieren.

Funktion

Eine sich selbst als Troll verstehende Person, erklärt das dann so: "Man sucht sich jemanden und nutzt seine Unsicherheiten aus, um eine ordentliches Drama, Gelächter und Lulz zu bekommen". Die Regeln sind einfach: 1) Mache was auch immer nötig ist Lulz zu bekommen. 2) Stelle sicher, dass die Lulz weit bekannt werden, dadurch werden weitere Lulz sichergestellt. 3) Das Spiel ist nie vorbei.

Aggression

Mit der steigenden Verbreitung des Internets hat in den letzten Jahren aber auch die Aggressivität der Trolle immer weiter zugenommen. Was einst ein "Einzelspaß" war, wird mehr und mehr zur Gruppenjagd.

Beispiele

Ein gutes Beispiel dafür ist der Fall des US-amerikanischen Schülers Mitchell Henderson: Dieser hatte Selbstmord begangen, ein Umstand der von seinen FreundInnen auf MySpace und anderen Seiten betrauert wurde. In Folge machten sich aber die Trolle über die Geschichte her und einen makaberen Scherz aus seinem Tod. Unter anderem wurde das Gerücht verbreitet, dass er sich wegen des Verlustes seines iPods umgebracht hatte. "Scherze", die vollkommen aus dem Ruder liefen, die trauernde Famile wurde noch eineinhalb Jahre später mit gehässigen Telefonanrufen belästigt.

Vorspiegelung

Äußerst unangenehme Folgen hatte auch ein "Scherz" des IT-Angestellten Jason Fortuny, der selbst das "Trollen" als seine wahre Leidenschaft angibt. Fortuny hatte sich im Herbst auf Craigslist als Frau ausgegeben und nach einem "brutalen und dominanten" Sex-Partner gesucht. Eine Anzeige auf die sich rund 100 Männer zurück gemeldet hatten - Fortuny machte alle ihre Namen samt Bildern, Mail-Adressen und Telefonnummern öffentlicht. Zumindest zwei der solcherart Bloßgestellten verloren daraufhin ihren Job. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Troll. Nicht alle sehen so aus.

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