Regen hat Weizenqualität weggeschwemmt

1. August 2008, 18:50
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Mit den Getreidemengen sind die heimischen Agrarier zufrieden, mit der Qualität nicht. Das Regenwetter im Juli war dieser abträglich. Die Brotpreise dürften dort bleiben, wo sie sind

Wien - Wird Brot nun teurer oder billiger? Die Antwort auf diese Frage wollte Franz Hautzinger am Freitag bei der Präsentation der heurigen Erntekennzahlen nicht wirklich geben. Der Seewinkler Körndlbauer, burgenländische Landwirtschaftskammerpräsident und Sprecher der heimischen Agrarier in Sachen Getreide, ließ sich nur zu einem kryptischen "Vermutlich wird es weder teurer noch billiger werden" hinreißen. Denn der Rohstoffanteil beim Brotpreis sei gering, ein eventuelles Fallen der Getreidepreise würde durch einen stetigen Anstieg der sonstigen Kosten (Sprit für die Traktoren, Dünger etc.) kompensiert werden.

Entspannung bei den Preisen

Bei den Weizenpreisen dürfte es wirklich zu einer weiteren Entspannung kommen, berichtet Christian Gessl, für Preisberichte zuständiger Abteilungsleiter bei der Organisation Agrarmarkt Austria (AMA), denn weltweit sei mit geschätzt 1,7 Milliarden Tonnen noch nie so viel Getreide eingefahren worden wie heuer. Vor allem in der Schwarzmeerregion, aber auch in den EU-27-Ländern sei die Anbaufläche wieder gewachsen. Bei Mais hingegen sei die Fläche weltweit nicht gewachsen, die US-Agroethanolproduktion frage aber verstärkt Mais nach.

In Österreich liegt die Menge 2008 etwas über auf dem Niveau des Jahres 2004, aber um zwanzig Prozent über dem Vorjahr, berichtet AMA-Vorstandschef Günther Griesmayr. Inklusive Mais sind es erstmals mehr als fünf Millionen Tonnen. An Getreide werden 3,2 Millionen Tonnen eingebracht, wobei in einigen Regionen, vor allem im Wald- und im Mühlviertel, die Mähdrescher derzeit noch in den dortigen Roggenfeldern unterwegs sind.

Bauern verdienen nicht mehr

Für Hautzinger war das bisherige Erntejahr eines der "Extreme" und "nichts für Leute mit schwachen Nerven" , sagte er am Freitag, denn die Landwirte hätten wegen des vielen Regens im Juli "zusehen können, wie ihnen die Qualität weggeschwemmt wird" , ergänzte Griesmayr (feuchtes Wetter bringt die Körner noch auf dem Feld zum Keimen, was die Qualität des enthaltenen Eiweißes beeinträchtigt, siehe auch "Wissen" , Anm.). Im Vorjahr waren 80 Prozent Qualitätsweizen, heuer 25 Prozent zu ernten. Hautzinger betonte, dass die Bauern trotz der im Vorjahr stark gestiegenen Weltmarktpreise nicht mehr verdienen - die Deckungsbeiträge (Rohertrag minus Ackerbaukosten) seien von 400 Euro pro Hektar auf bis zu 350 Euro pro Hektar gefallen.

Gut für die Bauern sei, dass der Zucker-, Frucht- und Stärkekonzern Agrana (Raiffeisen) heuer das Ethanolwerk-Pischelsdorf eröffnet habe. Die Überproduktion (im Vergleich zum Inlandsbedarf) von 800.000 Tonnen werde zu bereits fixierten Preisen dorthin geliefert, um Alkohol daraus zu machen, der Benzin beigemischt werden kann. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.8.2008)

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    Die vergangenen Wochen seien nichts für Bauern mit schwachen Nervengewesen, sagen die heimischen Agrarier. Der Regen habe die Qualität des Getreides weggeschwemmt.

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