Reifenpanne eines Jets löste Crash-Alarm aus

1. August 2008, 09:54
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Der Triebwerksausfall, der den Piloten eines Iberia-Fliegers am Donnerstagabend zur Rückkehr nach Wien-Schwechat gezwungen hatte, dürfte durch ein kaputtes Rad ausgelöst worden sein

Wien - 80 Minuten lang mussten die 132 Menschen an Bord von Flug Iberia 3575 bangen. 80 Minuten lang kreiste der Jet der spanischen Fluglinie mit Triebwerksproblemen über Wien, um Treibstoff zu verbrauchen und so das Landegewicht zu reduzieren. Die Angst vor einem Crash, die am Boden geherrscht hat, war glücklicherweise unbegründet: Um 20.50 Uhr setzte am Donnerstagabend die MD-88 ohne Schwierigkeiten wieder in Wien-Schwechat auf.

Die Suche nach der Unfallursache brachte am Freitag erste Ergebnisse: Der Zwischenfall dürfte durch die in eines der Triebwerke geratene Teile einer gebrochenen Reifenlauffläche ausgelöst worden sein (siehe Grafik). Diese Ursache hat in Madrid auch ein Sprecher der Airline auf Anfrage der Austria Presse Agentur bestätigt. Eine österreichische Flugunfallkommission wird laut Polizei die exakte Ursache des Vorfalles untersuchen.

126 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder haben um 19.31 Richtung Madrid abgehoben. Doch bereits kurz nach dem Start kam es zur Havarie. Der Pilot meldete ein Problem mit dem Triebwerk, das sich dem Iberia-Sprecher zufolge automatisch abgestellt hatte. Dass ein Reifenteil darinnen gelandet war, konnte der Pilot nicht erkennen.

Diese Art von Unfall ist aber nicht unproblematisch. Spektakulärster und tragischster Fall war der Absturz einer Concorde im Jahr 2000. Damals war ein Rad des Überschalljets der Air France beim Start in Paris geplatzt. Die umherfliegenden Reifenteile beschädigten den Tank, das ausfließende Kerosin entzündete sich am Triebwerk. 119 Menschen an Bord starben bei der Katastrophe.

Für die Sicherheitskräfte in Wien war daher zunächst unklar, wie gravierend der Schaden ist und ob der Pilot die Maschine wieder reibungslos zu Boden bringt. Auf dem Flughafen wurde Crash-Alarm ausgelöst und alles für eine Notlandung vorbereitet. Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge sind in Bewegung gesetzt worden. Zwei Notarzthubschrauber, vier Notarztwagen sowie 14 Rettungsfahrzeuge rückten aus. Auch aufseiten der Feuerwehr standen insgesamt 14 Mannschaften des Flughafens und der umliegenden Orte im Einsatz.
"Sichtbarer Funkenflug"

Auf ihrer Homepage gibt die Feuerwehr Schwechat die Eindrücke des Zwischenfalls wieder. Bei der sogenannten Retourlandung sei "deutlich sichtbarer Funkenflug" festzustellen gewesen. Die Betriebsfeuerwehr des Flughafens habe das Fahrwerk unmittelbar nach dem Ausrollen der MD-88 gekühlt. Für die Passagiere ging der turbulente Flug glimpflich aus. Alle blieben unverletzt, sie konnten den Jet auf normalem Weg verlassen. Freitagmittag hob die Ersatzmaschine ab: Die Airline hatte aber möglicherweise aus psychologischen Gründen nicht den betroffenen Flugzeugtyp von McDonell Douglas, sondern einen Airbus ausgewählt.

Bei der Flugsicherung Austro Control erzählt Pressesprecher Peter Schmidt, dass derartige Retourflüge nicht gänzlich ungewöhnlich sind. "Auch wenn im Cockpit aufgrund eines Wackelkontaktes ein Lämpchen blinkt, müssen die Piloten umkehren." In diesem Fall sei es aber ganz offensichtlich ein ernsterer Grund gewesen.

Das Flugzeug wird nun in einem Hangar von den Sachverständigen begutachtet. (APA, moe/DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.8.2008)

 

 

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