Verstaatlichung der größten Bank eingeleitet

1. August 2008, 16:07
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Banco de Venezuela gehört zur spanischen Santander-Gruppe

Caracas - Venezuela hat die Verstaatlichung der Banco de Venezuela, einem der größten Finanzinstitute des Landes, angekündigt. Die Eigentümerin, die spanische Santander-Gruppe, solle mit der Regierung über eine "freundliche Übernahme" verhandeln, sagte Staatschef Hugo Chaez am Donnerstag in einer Rundfunkansprache. Anstatt das Geldinstitut wie geplant an einen venezolanischen Bankier zu verkaufen, solle es lieber an den Staat gehen.

Einige Stunden später erklärte der Präsident, die Regierung führe bereits Gespräche mit Santander. Die linksgerichtete Regierung in Caracas hatte in der Vergangenheit bereits andere Unternehmen verstaatlicht.

Santander-Gruppe hält 96 Prozent

"Wir werden die Banco de Venezuela zurückholen, um sie in den Dienst der Venezolaner zu stellen, wir brauchen eine Bank dieser Größe dringend", sagte Chávez in einer Ansprache, die im Fernsehen und im Radio übertragen wurde. Chavez führte aus, er wisse, dass die Santander-Gruppe, die 96 Prozent an dem Finanzinstitut hält, derzeit mit einem venezolanischen Bankier über den Verkauf verhandele. Er verfüge über eine Kopie einer entsprechenden Vorvereinbarung. "Als Staatschef sage ich da: Nein. Verkauft es an die Regierung, den Staat", forderte Chavez.

Ein paar Stunden nach seiner Rede erklärte der Präsident, Gespräche mit Santander hätten bereits begonnen. Er hoffe zu einem fairen Preis "schnellstmöglich eine freundliche Übernahme zu vereinbaren", um einen Konflikt zu vermeiden. Seit 2007 ordnete Chavez bereits die Verstaatlichung von Öl- und Stahlkonzernen sowie von Unternehmen in den Bereichen Telekommunikation, Elektrizität und Zement an.

Laut Chavez bekundete der Staat sein Interesse an der Banco de Venezuela, als er erfuhr, dass Santander zum Verkauf bereit sei. Die spanische Finanzgruppe habe aber entgegnet, die Banco de Venezuela sei nicht vollständig zu verkaufen. Gerüchten zufolge ist der Besitzer der Banco Occidental de Descuento (BOD), Víctor Vargas, an der Banco de Venezuela interessiert. Vargas' Schwager gehört dem spanischen Königshaus an.

Santander bestätigte am Freitag, dass Verhanlungen mirt der venezolanischen Ragierung laufen. In einem Bericht aus dem vergangenen Jahr hatte Santander auf ein "erhöhtes Risiko" hingewiesen, "dass die venezolanische Regierung verstaatlicht oder ansonsten in die Geschäfte der venezolanischen Tochter eingreift".

300 Filialen

Der venezolanische Staat hatte die Banco de Venezuela 1994 in Folge der Finanzkrise übernommen, 1996 ersteigerte Santander sie für 351,5 Mio. Dollar. (225 Mio. Euro). Heute wird der Wert des Bankhauses mit seinen mehr als 300 Filialen auf 891 Millionen Dollar beziffert. Der Gewinn im vergangenen Jahr belief sich auf 325,3 Mio. Dollar.

Chavez hatte vergangene Woche in Spanien König Juan Carlos und Ministerpräsident Jose Luis Rodríguez Zapatero besucht, um einen Streit beim Ibero-Amerika-Gipfel im November endgültig beizulegen. Er sagte Spanien die Lieferung von bis zu 10.000 Barrel zu - zum günstigen Preis von 100 Dollar pro Fass im Gegenzug für die Lieferung medizinischer Ausrüstung und anderer Güter. Zudem kündigte Chavez an, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Venezuela und Spanien würden einer "tiefgreifenden Überprüfung" unterzogen. (APA)

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