Obduzieren im Container am Zentralfriedhof

31. Juli 2008 17:57
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    Container statt Uni-Institut: Die Stadt Wien errichtet derzeit ein Provisorium für Obduktionen am Zentralfriedhof. Es soll die Spitäler entlasten, für die vor allem "Faulleichen" ein Problem darstellen.

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    Am Wiener Institut für Gerichtsmedizin in der Sensengasse im 9. Bezirk werden seit Anfang 2008 keine Leichen mehr geöffnet.

Die Stadt Wien hat ein Provisorium aufgestellt, in dem ab Herbst obduziert werden kann - Ungefähr zeitgleich soll auch der Businessplan für ein neues Institut der Gerichtsmedizin stehen

Wien - Neben einem alten Gewächshaus, auf dem mitten im Zentralfriedhof gelegenen Areal der Friedhofs-Gärtnerei, stehen ein paar graue Container. Nur wenige Meter und ein Zaun trennen sie von den Grabsteinen und Kreuzen des zweitgrößten Friedhofs Europas. Zwei Arbeiter verpassen den grauen Quadern Donnerstagmittag gerade ein gemeinsames Vordach aus hellem Holz. "Das schützt auch noch etwas vor Hitze", sagt Friedhöfe Wien-Geschäftsführer Erhard Rauch. An der Rückseite des Gebildes ist der noch viel effektivere Wärmeschutz zu sehen: Kühlaggregate. Sie dienen nicht etwa der Konservierung von hitzeempfindlichen Pflanzen. In dem provisorischen Kühlraum sollen ab Herbst bis zu 30 Leichen aufbewahrt werden. Im unmittelbar anschließenden Container entsteht gerade ein Arbeitsraum mit Obduktionstisch. Ein kleines Badezimmer mit zwei Waschbecken und WC machen das Provisorium für Gerichtsmediziner und Pathologen komplett.

"Das ist eine Zwischenlösung, die die Spitäler entlasten soll", erklärt Landessanitätsdirektorin Karin Spacek dem STANDARD. Als Reaktion auf Kritik vom Rechnungshof dürfen seit Jänner 2008 am Institut der Gerichtsmedizin in der Sensengasse keine Leichen mehr geöffnet werden. Seither stellen das SMZ Ost, die Rudolfstiftung, das Krankenhaus Hietzing und das Kaiser-Franz-Josef-Spital (KFJ) die Infrastruktur zur Verfügung. Bei Problemen schieben die Ministerien, die Stadt Wien und die Med-Uni jeweils einem anderen Player die Schuld in die Schuhe.


In Hietzing und im KFJ werden auch stärker verweste Tote, "Faulleichen", obduziert. Diese stellen aus hygienischen und geruchstechnischen Gründen ein Problem für Krankenhäuser dar. Das Provisorium am Friedhof soll die Situation verbessern.


Laut Friedhöfe Wien-Geschäftsführer Rauch hat sich die Stadt Anfang Juni nicht nur wegen des ausreichenden Platzes für die Zwischenlösung am Zentralfriedhof entschieden. "Beinahe 100 Prozent der Leute, die hierher kommen sollen, werden dann auch am Zentralfriedhof zur letzten Ruhe gebettet", betont Rauch. Insbesondere jene Leichen, die bereits einen "gewissen Verwesungsgrad" aufwiesen, hätten oft keine Angehörigen mehr. Dann müsse ohnehin die Stadt Wien für die Bestattung aufkommen. Da sich die Container nicht direkt zwischen Gräberreihen befänden, werde es auch "keine Probleme wegen Geruchsbelästigung geben", ist Rauch überzeugt. "Es gibt auch namenlose Leichen, die so lange aufgebahrt werden müssen, bis ihre Identität geklärt ist. Das ist Krankenhäusern nicht zumutbar", sagt Spacek.

Neuer Institutsplan ab Herbst


Die Landessanitätsdirektorin zeigt sich "zuversichtlich, dass die Interimslösung eine solche bleibt." Vor wenigen Tagen traf sich erneut die Arbeitgruppe zur Zukunft der Gerichtsmedizin unter der Leitung des Gesundheitsministeriums, an der auch Vertreter des Innen-, des Justiz- und des Wissenschaftsministeriums sowie der Stadt Wien teilnehmen. Bis Herbst soll laut Spacek der Business- und Finanzplan für ein neues Institut stehen. Über den Standort könne sie noch nichts sagen. Derzeit werde über die Infrastruktur und neue Methoden des Instituts beraten. Im Gespräch sei etwa die Virtopsie, bei der mittels bildgebender Verfahren (z. B. der Computertomografie) der Zustand eines Körpers ohne Sezieren erfasst wird. In dem Konzept für eine neue Gerichtsmedizin soll auch festgeschrieben werden, wie Wien als Forschungsstandort gesichert werde, sagt Spacek.

Bis aus dem Plan Realität wird, wird die Zwischenlösung am Zentralfriedhof neben dem alten Gewächshaus herhalten müssen. Bisher hieß es aus der Arbeitsgruppe meist, dass die Gespräche schleppend vorangingen. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 1. August 2008)

Kommentar posten
25 Postings
fireware
01.08.2008 16:44
Gratulation, Frau Stadtrat - im Eiltempo zurück ins Mittelalter !

Von wegen "Wiener Medizinische Schule" - international führend !!??

ghostwriter668
04.08.2008 09:51

Wir führen doch international!
Hab mal mit an prof aus oxford gesprochen, der mir versicherte, dass die österreichischen ärzte internationl für korruption und vertuschung bekannt sind. ich sagte ihm dann da wir in einem entwiklungsland waren, dass ich dich lieber in österreich eine op haben würde als dort im tschungel wo wir damals waren. seine antwort auf diesen satz verblüffte mich jedoch, er behauptete dass es dort wo wir damals waren mit sicherheit bessere ärzte gibt als in österreich, damals lachte ich ihn aus, heute wissen wir alle von was er sprach!

knapper komentar
01.08.2008 16:31
Zustand

na das sagt doch einiges aus über den Zustand unserer Politik und Verwaltung ! Ich habe den Eindruck in erster Linie wird sich nur mehr selbst verwaltet. Wozu zahl ich Steuern - nurmehr für Plakataktionen und Selbstbeweihräucherung ?

Manfred Pirsch
01.08.2008 10:59
Endlich!

Eine gute Maßnahme und eine tolle Zielgruppenarbeit!

PeterBCK1
 
01.08.2008 10:04
Schade um die österr. Gerichtsmedizin!

Ob man es glaubt oder nicht, an der Entwicklung von vielen mittlerweile Routine gewordenen Testungen waren österr. Gerichtsmediziner in vorderster Front bis in die jüngste Zeit beteiligt.

kiwi99
01.08.2008 09:20
Schade um die Sensegasse

was wird denn jetzt damit passieren, Genossenschaftswohnungen?

Dilbert
01.08.2008 08:59

Die Sensengasse ist eine schöne Adresse für die Gerichtsmedizin.

living reef
07.08.2008 09:44
oder für die bestattungszentrale ;-))

Nota bene!
01.08.2008 15:44
Das sollten Sie aber als Zitat markieren...

... nämlich aus "Mann im Schatten", fantastischer Qualingerkrimi aus den 60er Jahren mit den blutjungen Fux und Lohner in Nebenrollen, übrigens als 10 Euro-DVD in der STANDARD-Edition zum österr. Film (Nr. 54).

black fag
01.08.2008 08:14

Sehr gut, eine Welstadt in Sachen Medizin.
Bravo, einfach so weitermachen!

Affe&Affe
31.07.2008 23:29
Wie in Nord-Korea...

derPolizist
31.07.2008 22:48
wieso...

kommt man nicht auf die naheliegendste Lösung und installiert bei der Polizei oder im BMI selbst ein "Kriminalmedizinisches Institut"?

Dancingstar Zsabine
31.07.2008 20:31
lecker

Wien ist anders!

Mamale
31.07.2008 20:01

Vertrottelt

ali baba44
31.07.2008 18:56
unglaublich!

wüsste man es als gelernte österreicherin nicht besser, würde man das für einen schlechten scherz halten.

I. O.
31.07.2008 18:41
Einfach beschämend!

.. für eine so reiche Land wie Österreich!
Erstmal wegen die Würde von die Toten, dann auch die Arbeitsbedienungen von Pathologen (meine ich die kleine diensthabende Ärzte und Personal, und nicht die Korrupte Bonzen!).

living reef
01.08.2008 07:21
den toten ist das herzlich egal

die scheinheiligkeit unserer gesellschaft besteht darin, dass immer wieder die würde der toten beschworen wird, aber so manche menschen während ihres lebens von der gesellschaft würdelos behandelt werden!

artemis70
01.08.2008 10:01
genau,

in diesem fall z.b. pathologInnen und gerichtsmedizinerInnen, die in diesem container arbeiten miüssen.

MacErik
 
31.07.2008 18:27
peinlich

So manches "3.Welt"-Land hat bessere Bedingungen. und das nur, weil ein paar korrupte Pathologen den Hals nicht voll kriegen konnten...

V.Er. Naderer
 
01.08.2008 09:39
2. Teil

Wirklich dramatisch ist aber der Rückgang san.-pol. Leichenöffnungen (auf fast 0 seit Jänner), d.h. alle Toten, die nicht in einem KH starben und bei denen nicht sofort Fremdverschulden vermutet werden kann (also kein Autounfall, keine 5 Einschußlöcher, etc...): wenn man z.B. niemanden mehr obduziert, der am Karlsplatz im Resselpark tot aufgefunden wird, hat man automatisch viel weniger Drogentote. Mit einer ähnlichen Regelung hat auch Zürich vor ein paar Jahren sein Problem mit den Drogentoten "in den Griff" bekommen... is eh nur für de Stadisig...

V.Er. Naderer
 
01.08.2008 09:34
Pathologen

1. kein Pathologe beschäftigt sich mit gerichtsmed. Obduktionen, das ist der Beruf für Gerichtsmediziner. Pathologen obduzieren die im Krankenhaus Verstorbenen, also Patienten mit Krankengeschichte, allen Informationen, etc. Ziemlich genau das genaue Gegenteil einer gerichts- oder sanitätspol. Obduktion.

2. Kein Pathologe, aber auch kein Gerichtsmedizin ist korrupt. Die Gemeinde Wien hat einfach nur Dienste der MedUni Wien über Jahrzehnte fast unentgeltlich in Anspruch genommen. Als sie plötzlich dafür zahlen sollte, kamen plötzlich lustige Gerüchte (nmicht Gerüche!) in die Welt.

black fag
01.08.2008 12:09

ad 1. Nicht ganz korrekt, auch FÄ für Pathologie dürfen sanitätspol. Obduktionen durchführen.

Ava Tar
01.08.2008 00:22
bist du sicher, daß du die Geschichte inhaltlich verstanden hast ?

das alte, einst weltbekannt Institut ließ die Stadt Wien verkommen, und seitdem werden die Leichen kreuz & quer herumgeschoben und machen feine keimfreie Luft in Krankenhäusern.

Würdest du gerne auf Obduktionen verzichten ? insbesondere in verdächtigen Fällen ...

Dieses Kapitel ist noch schlimmer als der Pratervorplatz.
In Wien zeigt die SPÖ, was sie kann.

fireware
01.08.2008 16:48
Goldene Worte !! Hoffentlich stellt irgendwer das Foto unserer künftigen Gerichtsmedizin in YouTube aus !!

fibiundchillie
01.08.2008 09:08

wahnsinn, von mir ein grüner strich für ava tar.

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