Influenza-Impfung schützt kaum vor Lungenentzündung

4. August 2008, 10:59
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Bisherige Untersuchungen möglicherweise aus methodischen Gründen falsch

London/Seattle - Bei Influenza-Wellen im Winter kommt es regelmäßig - speziell unter älteren Menschen - zu mehr Todesfällen. Hier kann die Impfung schützen. Doch der bisher vermutete und in älteren Studien belegte prophylaktische Effekt gegen eine zusätzlich auftauchenden bakterielle Lungenentzündung dürfte nur schwach sein. Das hat eine Studie ergeben, die in der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" (2. August) veröffentlicht wird.

Die Wissenschafter um Michael Jackson vom Group Health Center for Health Studies in Seattle im US-Bundesstaat Washington haben die Daten von 1.173 Patienten mit Lungenentzündung (Diagnose überprüft per Arztbefund und/oder Röntgenbild) und von 2.346 Kontrollpersonen ausgewertet. Sie waren zwischen 65 und 94 Jahre alt.

Es handelt sich bei den Patienten um Personen, die im Jahr 2000, 2001 oder 2002 an einer bakteriellen Pneumonie während einer Influenza-Welle erkrankten. Gleichzeitig wurde der Impfstatus bei Erkrankten und Nichterkrankten ausgewertet. In den drei Jahren hatte die jeweils verwendete Influenza-Vakzine eine gute Schutzwirkung. Das schwankt von Jahr zu Jahr.

Kein geringeres Risiko für Pneumonie

Die Resultate waren enttäuschend. "Die Influenza-Impfung bedeutete kein geringeres Risiko für eine außerhalb von Spitälern erworbene Pneumonie während der Influenza-Saison", schreiben die Fachleute. Die Häufigkeit solcher Komplikationen war unter den Immunisierten offenbar nur um acht Prozent geringer.

In den vergangenen Jahren haben ältere Studien immer wieder deutliche Hinweise auf einen solchen Effekt der Influenza-Impfung geliefert. Neben akuten Herz-Kreislauf-Komplikationen sind Pneumonien nach einer Influenza-Erkrankung eine gefürchtete Folgeerkrankung. In wissenschaftlichen Studien wurde belegt, dass die Immunisierung die Mortalitätsrate bei Influenza-Wellen senkt, weil eben weniger Personen erkranken. Für die Verhütung nachfolgender bakterieller Pneumonien allerdings dürfte aber nach diesen neuen Ergebnissen eher eine Pneumokokken-Impfung gegen die häufigsten Auslöser solcher Erkrankungen sinnvoll sein. (APA/red)

Abstract

The Lancet: Influenza vaccine for community-acquired pneumonia
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