Unterkunft für Angeklagte während des Verfahrens - Strafe wird in anderen Ländern abgebüßt
Den Haag - Der ehemalige Führer der bosnischen Serben Radovan Karadzic ist am Mittwoch im UNO-Gefängnis für Kriegsverbrecher nahe Den Haag eingetroffen, in dem auch der serbische Ex-Präsident Slobodan Milosevic bis zu seinem Tod im März 2006 inhaftiert war. Die Haftanstalt ist in einem eigenen Flügel eines niederländischen Hochsicherheitsgefängnisses in der Nähe der Nordseeküste untergebracht.
Beschuldigte bleiben für die Dauer ihres Prozesses in Scheveningen, nach einer Verurteilung verbüßen sie die Reststrafe in anderen Ländern, die sich dazu freiwillig bereiterklären. So beherbergt derzeit Österreich vier vom Haager UNO-Tribunal verurteilte Kriegsverbrecher. Das UNO-Gefängnis verfügt über 84 Zellen, in denen derzeit 37 weitere Verdächtige aus den Balkan-Kriegen der frühen 1990er Jahre inhaftiert sind. Die Zellentüren sind fast den ganzen Tag über geöffnet und werden lediglich mittags während der Wachablösung kurz verschlossen.
Kein Internetzugang
In jeder der 5,1 Meter auf drei Meter großen Zellen gibt es eine Dusche, eine Toilette, ein Waschbecken und einen Tisch. Die Häftlinge dürfen einen Computer nutzen, haben jedoch keinen Zugang zum Internet. Sie können niederländische, deutsche, belgische und französische Fernsehsender empfangen sowie Programme in ihrer Muttersprache. Ihnen werden Kurse in Kunst, Sprachen oder Naturwissenschaften angeboten. Außerhalb der Zellen haben sie zudem die Möglichkeit, gemeinsam Sport zu treiben oder zu lesen. (APA/AP)