Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 600x238Achttausend Quadratkilometer Eis zeigen der Jökulsárlón-Lagune regelmäßig die Zunge. Genauer gesagt ist es die poröse Gletscherzunge Breiðamerkurjökull, die hier bis zu fünfzehn Meter hohe Eisberge verliert.
Ob sich auch alle Gletscherspalten und Vulkankrater an die neuen Spielregeln halten, sei einmal dahingestellt. Mit der Entstehung des Vatnajökulsþjóðgarður jedenfalls ist seit Anfang Juli fast ein Achtel der gesamten Oberfläche Islands offizieller Nationalpark - und damit strenger reglementiert.
Europas größter Gletscher, Vatnajökull, wurde mit diesem Projekt nun zur Gänze als Schutzgebiet deklariert, der bestehende Skaftafell Nationalpark in den neuen Park integriert. Gemeinsam mit umliegenden Randzonen ergibt das eine Fläche von rund 13.000 Quadratkilometern und damit den größten Nationalpark Europas.
Auf diesem Gebiet in den Ausmaßen Tirols wird der geneigte Island-Entdecker das Prospektversprechen eingelöst bekommen, das die Insel ihren Gästen gerne macht: Feuer und Eis kommunizieren in dieser Region im Südosten Islands am intensivsten. Sechs aktive Vulkane sind hier zu finden - und zum Teil auch wieder nicht, da einige von ihnen unter der Eisoberfläche des 8000 Quadratkilometer großen Gletschers brodeln.
Zurzeit allerdings hat die Nationalparkwerdung noch keinen Einfluss auf die Lenkung der touristischen Ströme. Der nicht mehr als eigene Einheit auftretende Skaftafell Nationalpark verfügt nach wie vor über das einzige nennenswerte Besucherzentrum - nur in Asbyrgi gibt es noch ein zweites, kleineres. Erst im Jahr 2012 soll auch die gesamte, rund zehn Millionen Euro teure Infrastruktur für den neuen Park fertiggestellt sein, vier weitere Zentren kommen hinzu und einige kleinere Stationen für die Nationalpark-Ranger.
Einfach über die Ringstraße
Europas größter Nationalpark gehört aber schon jetzt zu den leicht erreichbaren Zielen isländischer Naturschauspiele. Angebunden ist er über die Ringstraße 1, auf der die meisten Touristen im Mietauto kommen. Selbst die Busverbindungen von Reykjavík in diesen Teil der Insel sind gut und regelmäßig. Der größte Teil der Reisenden - etwa 200.000 pro Jahr - konzentrierte sich schon in den vergangen Jahren auf nur einige wenige Sehenswürdigkeiten in genau dieser Region; etwa auf Europas größten Wasserfall Dettifoss, die hufeisenförmige Schlucht Asbyrgi - die liegen aber im Norden - oder auf den majestätischen Eisbergsee Jökulsárlón - die liegen nun alle auf oder zumindest unmittelbar neben dem Areal des neuen Nationalparks.
Der kleine Ort Höfn, etwas südwestlich des Schutzgebiets, bleibt unterdessen die beste Anlaufstelle für Besucher, die dem Gletscher nah sein wollen. Die isländische glaciologische Gesellschaft unterhält dort ein Forschungszentrum und eine permanente Ausstellung, die das Zusammenspiel zwischen Mensch und ewigem Eis thematisiert. Wer daran denkt, den Vatnajökull Gletscher zu erkunden, ist unbedingt auf die Hilfe kundiger Guides angewiesen - auch die werden hier vermittelt. In Höfn Quartier zu beziehen ist praktisch, weil von diesem Hafenstädtchen gleich mehrere interessante Schauplätze schnell erreicht werden können.
Die Gletscherzunge Skálafellsjökull etwa ist jener Teil der riesigen Eismasse, die noch am leichtesten individuell begangen oder zumindest umgangen werden kann, und nur wenige Kilometer weiter westlich liegt die Jökulsárlón Lagune. Ab dem Jahr 1930 begann sich der Gletscher im Süden zurückzuziehen, Eisberge fallen seitdem in den durch den Rückzug entstandenen See. Am eindrucksvollsten beobachtet man das von einem der Boote, die dort täglich verkehren.
Dass der Gletscher schwindet, wird einem in der Lagune schneller klar als irgendwo anders. Allerdings sind die Ursachen dafür deutlich komplexer, als man annehmen könnte. Die Klimaerwärmung ist nur ein Aspekt davon, ein anderer ist die nicht neue geothermische Aktivität unter dem Eis. Als man sich dazu entschied, die gesamten Eismasse unter Schutz zu stellen, kündigten internationale Umweltschutzorganisationen ihre Unterstützung an. Nicht zuletzt, weil durch den Nationalpark-Status zumindest verhindert wird, dass hier etwa Aluminium verschmolzen wird oder neue Staukraftwerke entstehen. Andererseits ist das Gebiet eben so groß, dass man die landwirtschaftliche Nutzung am Rande des Gletschers nicht zur Gänze untersagen wollte.
Wie weitgefasst die Definition der nachhaltigen Nutzung in Zukunft zu halten ist, wird auch von den touristischen Zielen abhängen, die mit diesem Park verknüpft sind. Das isländische Tourismusamt erwartet sich durch den Schutz dieser Ressource bis zu 40.000 Besucher mehr im Jahr, zumindest bislang ist die Bespielung der Eismassen durch Gletscher-Jeeps und Schneemobile aber gut nachgefragter Teil dieses Erfolgs. Eine Gratwanderung nicht ohne Gletscherspalten. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/26./27.7.2008)
Informationen:
icetourist.is
Skitourengeher in Island schmecken das Meer und riechen Lunte: Es muss hier auch noch andere Spezialitäten geben
Thomas Rottenberg beim Skitourengehen in Island, wo Schnee und Hanglage völlig anders sind als anderswo
Ein Museum in Island erzählt die Geschichte der einstigen Welthauptstadt des Heringsfangs. Ein Gleichnis über Wohlstand und das Verhängnis der menschlichen Gier
Das Leben der Fischer in Siglufjördur war entbehrungsreich. In Kristfinnssons Museum zeigen Exponate, was es bedeutete, im Fischgeschäft zu arbeiten
Ganz Reykjavík wird mit Heißwasser geheizt. Davon profitiert auch ein eigenwilliges Restaurant
In Island treffen die beiden tektonischen Platten Nordamerika und Eurasien aufeinander. Wojciech Czaja war auf Tauchgang zwischen den Kontinenten
In "Gebrauchsanweisung für Island" entführt Kristof Magnusson in das sagenhafte wie das alltägliche Island - Von der Badekultur bis zur Kochtopfrevolution
Magie knapp unterhalb des Polarkreises. Eine Reise ins isländische Djúpavík. Hier teilt man manchmal sein Hotelzimmer mit Geistern
Nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island bereiste die Künstlerin Thelma Herzl den Vulkan. Nun liegt ein Fotobuch vor, das dieser Tage unerwartete Aktualität erhalten hat
Die Bilder von Thelma Herzl zeigen die Ästhetik der Naturgewalt eines Vulkanausbruchs. Wie zeigen einige Bilder aus ihrem neuen Fotobuch
Nicht alle Isländer glauben an sie, doch fast keiner will ihre Existenz ausschließen. Die Naturgeister folgen den Insulanern sogar nach Dänemark
Spektakuläre Landschaften, Natur, Wellness und vieles mehr bietet Island seinen BesucherInnen - Eine kleine Auswahl
Geysire, Sundhölls, Gletscher, heiße Quellen, Nebel, Eisschollen und das Meer - Island ist im Wasser entstanden, von Wasser umhüllt und durchflutet
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.