Islands neuer Eisheiliger

30. Juli 2008, 17:00
  • Achttausend Quadratkilometer Eis zeigen der Jökulsárlón-Lagune
regelmäßig die Zunge. Genauer gesagt ist es die poröse Gletscherzunge
Breiðamerkurjökull, die hier bis zu fünfzehn Meter hohe Eisberge
verliert.


Foto: Arctic Images/Ragnar T. Sigurdsson
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    foto: arctic images/ragnar t. sigurdsson

    Achttausend Quadratkilometer Eis zeigen der Jökulsárlón-Lagune regelmäßig die Zunge. Genauer gesagt ist es die poröse Gletscherzunge Breiðamerkurjökull, die hier bis zu fünfzehn Meter hohe Eisberge verliert.

    Foto: Arctic Images/Ragnar T. Sigurdsson

Aus dem Vatnajökull-Gletscher und seinem Umland wurde gerade Europas größter Nationalpark

Ob sich auch alle Gletscherspalten und Vulkankrater an die neuen Spielregeln halten, sei einmal dahingestellt. Mit der Entstehung des Vatnajökulsþjóðgarður jedenfalls ist seit Anfang Juli fast ein Achtel der gesamten Oberfläche Islands offizieller Nationalpark - und damit strenger reglementiert.

Europas größter Gletscher, Vatnajökull, wurde mit diesem Projekt nun zur Gänze als Schutzgebiet deklariert, der bestehende Skaftafell Nationalpark in den neuen Park integriert. Gemeinsam mit umliegenden Randzonen ergibt das eine Fläche von rund 13.000 Quadratkilometern und damit den größten Nationalpark Europas.

Auf diesem Gebiet in den Ausmaßen Tirols wird der geneigte Island-Entdecker das Prospektversprechen eingelöst bekommen, das die Insel ihren Gästen gerne macht: Feuer und Eis kommunizieren in dieser Region im Südosten Islands am intensivsten. Sechs aktive Vulkane sind hier zu finden - und zum Teil auch wieder nicht, da einige von ihnen unter der Eisoberfläche des 8000 Quadratkilometer großen Gletschers brodeln.

Zurzeit allerdings hat die Nationalparkwerdung noch keinen Einfluss auf die Lenkung der touristischen Ströme. Der nicht mehr als eigene Einheit auftretende Skaftafell Nationalpark verfügt nach wie vor über das einzige nennenswerte Besucherzentrum - nur in Asbyrgi gibt es noch ein zweites, kleineres. Erst im Jahr 2012 soll auch die gesamte, rund zehn Millionen Euro teure Infrastruktur für den neuen Park fertiggestellt sein, vier weitere Zentren kommen hinzu und einige kleinere Stationen für die Nationalpark-Ranger.

Einfach über die Ringstraße

Europas größter Nationalpark gehört aber schon jetzt zu den leicht erreichbaren Zielen isländischer Naturschauspiele. Angebunden ist er über die Ringstraße 1, auf der die meisten Touristen im Mietauto kommen. Selbst die Busverbindungen von Reykjavík in diesen Teil der Insel sind gut und regelmäßig. Der größte Teil der Reisenden - etwa 200.000 pro Jahr - konzentrierte sich schon in den vergangen Jahren auf nur einige wenige Sehenswürdigkeiten in genau dieser Region; etwa auf Europas größten Wasserfall Dettifoss, die hufeisenförmige Schlucht Asbyrgi - die liegen aber im Norden - oder auf den majestätischen Eisbergsee Jökulsárlón - die liegen nun alle auf oder zumindest unmittelbar neben dem Areal des neuen Nationalparks.

Der kleine Ort Höfn, etwas südwestlich des Schutzgebiets, bleibt unterdessen die beste Anlaufstelle für Besucher, die dem Gletscher nah sein wollen. Die isländische glaciologische Gesellschaft unterhält dort ein Forschungszentrum und eine permanente Ausstellung, die das Zusammenspiel zwischen Mensch und ewigem Eis thematisiert. Wer daran denkt, den Vatnajökull Gletscher zu erkunden, ist unbedingt auf die Hilfe kundiger Guides angewiesen - auch die werden hier vermittelt. In Höfn Quartier zu beziehen ist praktisch, weil von diesem Hafenstädtchen gleich mehrere interessante Schauplätze schnell erreicht werden können.

Die Gletscherzunge Skálafellsjökull etwa ist jener Teil der riesigen Eismasse, die noch am leichtesten individuell begangen oder zumindest umgangen werden kann, und nur wenige Kilometer weiter westlich liegt die Jökulsárlón Lagune. Ab dem Jahr 1930 begann sich der Gletscher im Süden zurückzuziehen, Eisberge fallen seitdem in den durch den Rückzug entstandenen See. Am eindrucksvollsten beobachtet man das von einem der Boote, die dort täglich verkehren.

Dass der Gletscher schwindet, wird einem in der Lagune schneller klar als irgendwo anders. Allerdings sind die Ursachen dafür deutlich komplexer, als man annehmen könnte. Die Klimaerwärmung ist nur ein Aspekt davon, ein anderer ist die nicht neue geothermische Aktivität unter dem Eis. Als man sich dazu entschied, die gesamten Eismasse unter Schutz zu stellen, kündigten internationale Umweltschutzorganisationen ihre Unterstützung an. Nicht zuletzt, weil durch den Nationalpark-Status zumindest verhindert wird, dass hier etwa Aluminium verschmolzen wird oder neue Staukraftwerke entstehen. Andererseits ist das Gebiet eben so groß, dass man die landwirtschaftliche Nutzung am Rande des Gletschers nicht zur Gänze untersagen wollte.

Wie weitgefasst die Definition der nachhaltigen Nutzung in Zukunft zu halten ist, wird auch von den touristischen Zielen abhängen, die mit diesem Park verknüpft sind. Das isländische Tourismusamt erwartet sich durch den Schutz dieser Ressource bis zu 40.000 Besucher mehr im Jahr, zumindest bislang ist die Bespielung der Eismassen durch Gletscher-Jeeps und Schneemobile aber gut nachgefragter Teil dieses Erfolgs. Eine Gratwanderung nicht ohne Gletscherspalten. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/26./27.7.2008)

Informationen:
icetourist.is

Vatnajökulsþjóðgarður

Muss meine Tastatur auf Isländisch umstellen, was für herrliche Buchstaben!

und das aussprechen (versuchen)

macht auch so verdammt viel spass! ;)

Ja! Man kann es versuchen und es kommt jedes Mal was anderes raus! :-)

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